Möchte man die Geschichte der Geldanlage schreiben, so ist es zunächst sinnvoll zu definieren, was mit Geldanlage genau gemeint ist. Nur so kann man historische Phänomene mit gegenwärtigen vergleichen. Wenn im folgenden Artikel von Geldanlage gesprochen wird, ist damit – wie der Begriff bereits suggeriert – gemeint, das Anlegen bzw. Platzieren eines Geldbetrages mit dem Ziel der Ertragssteigerung am (Kapital-) Markt zur Vermögensbildung oder -mehrung. Eng mit der Geschichte der Geldanlage ist die Geschichte des Geldes, des Bankwesens und des Kapitalmarktes verbunden.
In der Antike konnte Geld noch nicht am Kapitalmarkt platziert werden, dennoch gab es bereits in dieser Zeit, weit vor dem Münzgeld, Geldanlage. Es ist nämlich ein Trugschluss die Geschichte des Geldes mit der des Münzgeldes im 7 Jh. v. Chr. gleichzusetzen, denn Geld ist eigentlich lediglich ein Wertesystem, mit dem Preise für Dienstleistungen und Waren zum Ausdruck gebracht werden. Sogenannte Zwischentauschmittel erfreuten sich lange großer Beliebtheit. Als Zwischentauschmittel konnten Muscheln, Getreide, Gold oder auch Silber dienen. Kaufte nun eine Person in der Antike, sei es mit Münzgeld oder einem Zwischentauschmittel, ein Werkzeug oder Gegenstand, tat er dies auch mit der Absicht der Ertragssteigerung, er investierte quasi in seine eigene Unternehmung. Eine institutionalisierte Form der Geldanlage mit Finanzinstrumenten, wie sie heute geläufig ist, kannte man damals noch nicht. Trotzdem Bestand aber auch damals die Möglichkeit zur Vermögenssicherung in von Natur aus unvermehrbare Vermögensgegenstände, wie Gold, Land oder andere Ressourcen zu investieren. Diese Investitionen erfüllten aber vor allem den Zweck der Aufbewahrung und des Schutzes von Vermögen, da die meisten dieser antiken Anlageklassen keine eigenen Zahlungsströme generierten, abgesehen von Land und Sklaven. Damit würde diese Geldanlage aber nicht unserer modernen Definition entsprechen, da Geld nicht gezielt zur Ertragssteigerung angelegt wird, wenn Gold, Silber oder Getreide gehortet wird.
Die Geschichte der Geldanlage ist eng mit der Geschichte des Bankwesens verbunden, dessen Wurzeln – abgesehen von Vorläufern in der Antike – im späten Mittelalter und der Renaissance zu verorten sind. Die Geschichte des modernen Banking beginnt insbesondere in den reichen italienischen Handelsstädten, wie Florenz, Genua, Venedig oder Siena. Die ursprünglichen Banken waren von Händlern gegründete Handelsbanken bzw. Merchant Banks. Historisch gesehen war der Zweck dieser Banken die Produktion und den Handel von Waren zu finanzieren. Das System erleichterte den Zahlungsverkehr durch die Überweisung von Einlagen. Diese entsprangen der Tatsache, dass Kaufleute international Handel trieben und Vermögensgegenstände an unterschiedlichen Punkten von Handelsrouten hielten. Eine zentrale Innovation war der sogenannte Wechsel. Gegen eine Gebühr bot ein Kaufmann an, Zahlungsanweisungen an eine andere Partei durch seine Agenten an einem entfernten Ort auszuführen. Dabei wurde der entsprechende Betrag vom Konto des Kaufmanns bei dem Agenten belastet. Zusätzlich erhoffte sich der Kaufmann einen Gewinn durch den Umtausch verschiedener Währungen. Da mit diesen Transaktionen ein Risiko eines Verlustes verbunden war, galten die daraus resultierenden Gewinne nicht als Zinsnahme und unterlagen somit nicht dem mittelalterlichen Verbot des Wuchers. Gleichzeitig entwickelten Kaufleute Techniken, um Kredite zu verschleiern, wie durch vorgetäuschte Wechselkursdifferenzen. Diese Praktiken legten den Grundstein für das Banking, wie wir es heute kennen. Sie kombinierten die Funktionen von Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und Währungsumtausch und schufen ein komplexes, aber effizientes System, das den internationalen Handel wesentlich erleichterte.
So erforderte es vor dem 13. Jahrhundert in der Regel einen persönlichen Kontakt zwischen den Bankiers und ihren Kunden. Die im 12. oder frühen 13. Jahrhundert erfundenen Wechsel, boten den Bankiers schließlich einen Mechanismus für die Abwicklung von Geschäften an verschiedenen und sogar weit entfernten geografischen Orten. Darüber hinaus befreiten Wechsel Kaufleute und andere Reisende von der Last, große Mengen an Edelmetallen und Münzen transportieren zu müssen, und von der Übernahme der verschiedenen Risiken, die mit dem Transport verbunden waren, was Handel und Gewerbe erheblich erleichterte. Diese Transaktionserleichterung hat die mittelalterliche Wirtschaft erheblich erweitert und modernisiert.
Die älteste kontinuierlich arbeitende Bank der Welt ist derzeit die Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS). Sie wurde ursprünglich 1472 als banchi di pegno (Pfandleihhaus) für wohltätige Zwecke gegründet. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts setzten sich Franziskaner, für die Gründung zahlreicher gemeinnütziger städtischer Pfandleiher ein, die die Armen von den Wucherern befreien sollten und die Kredite gegen persönliche Sicherheiten gewährten. Solche monti di pietà (Banken der Frömmigkeit) wurden in ganz Europa gegründet, darunter 89 allein in Italien bis 1509.
„Banken spielen seit dem Mittelalter eine zentrale Rolle in der Wirtschaft, was bis in die Gegenwart andauert. “
Dr. Marc Breidenbach
Ein wichtiger Schritt hin zur modernen Geldanlage ist die Etablierung der Börse. Erst dadurch wurde es möglich Geld organisiert und effizient am Kapitalmarkt zu platzieren. Wie im Artikel bereits gezeigt gab es Geldanlage natürlich weit vor dieser und ist wohl fast so alt, wie die Geschichte des Wirtschaftens an sich, da es Geldanlagen konsequent gedacht geben muss, sobald große Vermögen entstanden sind, da der Vermögenszuwachs einen Ursprung haben muss, zumindest wenn man von einer Gesellschaft mit einer gewissen Rechtssicherheit ausgeht.
Grundsätzlich sind Börsen neutrale Handelsplätze, die Unternehmen (Emittenten) und Investoren (Käufer und Verkäufer) zusammenbringen. Der Begriff Börse entstand im belgischen Brügge und bezeichnete den Marktplatz, an dem sich vor allem italienische Kaufleute trafen. Benannt wurde der Platz nach dem belgischen Patriziergeschlecht van der Beurse. Statt mit Aktien würde hier allerdings noch mit Waren wie Gewürzen, Tücher oder Getreide gehandelt. Vor etwa 400 Jahren begann der Handel mit den ersten Aktien. Im Jahr 1602 gründeten niederländische Kaufleute die Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC), um ihre Handelsflotte und Geschäfte zu finanzieren. Dazu gaben sie Anteilsscheine aus, die es den Investoren ermöglichten, Anteile am Unternehmen zu erwerben, ohne dass eine Rückzahlungspflicht für die VOC bestand. Diese Aktien konnten frei gehandelt werden, wodurch eine neue Form der Kapitalbeschaffung entstand. Die Handelsabwicklung fand an einer eigens dafür eingerichteten Börse statt, die als erste Wertpapierbörse der Welt gilt.
Moderne Finanzinstrument und Investmentfonds sind neuerer Natur. Die Wurzeln der Investmentfonds reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Als erster seiner Art gilt für einige Experten die am 5. März 1849 in Genf gegründete „Société civile genevoise d’emploi de Fonds“, während andere den „The Foreign and Colonial Government Trust“ aus London für den ersten Investmentfonds halten, der am 19. März 1868 ins Leben gerufen wurde. Dieser Fonds investierte 1 Million Pfund in 18 verschiedene ausländische Staatsanleihen. Das Gründungsprospekt des Londoner Fonds beschreibt seine Aufgabe so, dass sie unserer heutigen Vorstellung eines Investmentfonds entspricht: „Er bot Anlegern mit geringem Kapital die Möglichkeit, durch eine breite Streuung des Vermögens in ausländische und koloniale Wertpapiere das Risiko zu minimieren und damit ähnliche Vorteile wie wohlhabenden Großanlegern zu genießen.“ Dieses Konzept ermöglichte es kleinen Sparern, weltweit zu investieren und spiegelt die Idee der „Chancengleichheit für alle Anleger“ wider – ein Prinzip, das seine Wurzeln in den Idealen der Gleichheit und Gerechtigkeit der Französischen Revolution hat. Investmentfonds trugen also erheblich zur Demokratisierung der Geldanlage beim und sind bis heute ein beliebtes Instrument der Geldanlage.
Die letztlich allumfängliche Demokratisierung des Kapitalmarktes wurde durch die Entwicklung von Indexfonds besiegelt. Anleger benötigen hier kaum Kapitalmarktkenntnisse sowie Kenntnisse über Vermögensverwalter oder Investmentfonds und können sehr kostengünstig und diversifiziert in den gesamten Kapitalmarkt investieren. Der erste Indexfonds wurde von John Bogle aufgelegt, um den S&P 500 nachzubilden. Neben klassischen Indexfonds existieren heute auch noch sogenannte Exchange-Traded Funds. Beide Investmentvehikel bilden einen bestimmten Index ab, wie bspw. den DAX, S&P 500 oder den MSCI World. Dennoch unterscheiden sich diese Finanzinstrumente an bestimmten Stellen. ETF’s werden wie Aktien an der Börse gehandelt und können während der Handelszeiten flexibel gekauft und verkauft werden. Im Vergleich dazu werden klassische Indexfonds direkt über die Fondsgesellschaft gehandelt, meist nur einmal täglich. ETFs sind in der Regel kostengünstiger, da sie aufgrund ihrer Struktur einfacher zu verwalten sind, während Indexfonds oft höhere Verwaltungsgebühren aufweisen und mit Mindestanlagesummen verbunden sein können. Durch ihre Flexibilität und niedrigeren Kosten sind ETFs besonders bei Privatanlegern beliebt. Diese zunehmende Beliebtheit kann allerdings zur Folge haben, dass eine effiziente Verteilung der knappen Ressource Kapital nicht mehr hinreichend gegeben ist, da getrieben durch die Indexallokation Kapital vornehmlich den größten Unternehmen zufließt, was wiederum Potential für Blasenbildung birgt.
„Die Geschichte der Geldanlage zeigt, dass es nie einfacher war Geld am Kapitalmarkt zu platzieren. Dies zu tun kann aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll sein, die im Artikel Was ist Geldanlage genauer erläutert werden.“
Dr. Marc Breidenbach
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