Die private Altersvorsorge in Deutschland

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung und betrieblichen Vorsorge fungiert die private Altersvorsorge als dritte Säule der Altersvorsorge in Deutschland. Sie ist der zentrale Baustein des Drei-Säulen-Modells, da nur diese Säule unbegrenzt skalierbar ist und damit tatsächlich Unabhängigkeit sowie finanzielle Freiheit im Alter schaffen kann.

Die private Altersvorsorge lässt sich grob in zwei Unterkategorien unterteilen. Zum einen vom Staat geförderte private Vorsorgeprodukte, wie beispielsweise die Riester-Rente und das Altersvorsorgedepot und zum anderen rein private Vorsorgestrategien, wie unabhängige Vorsorge in Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, Private Equity und vieles mehr. Grundsätzlich kann so jegliche Art des Investierens mit einem langfristigen Zeithorizont und unbestimmten Ziel selbstverständlich später zu Altersvorsorge genutzt werden. Somit ist die Höhe der privaten Altersvorsorge in erster Linie davon abhängig wie viel und wie früh investiert wird.

Die erste Säule der Altersvorsorge

Die folgende Abbildung zeigt die Drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland.
©Breidenbach von Schlieffen & Co.

Die private Altersvorsorge (Altersvorsorgedepot – AVD)

Das Drei-Säulen-Modell beschreibt das System der Altersvorsorge in Deutschland, bei dem der Lebensunterhalt im Alter aus mehreren unabhängigen Einkommensquellen gesichert werden soll. Die erste Säule bildet die gesetzliche Rentenversicherung als staatliche Pflichtversicherung, ergänzt durch Beamtenversorgung und berufsständische Versorgungswerke. Die zweite Säule umfasst die betriebliche Altersvorsorge, bei der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam über verschiedene Durchführungswege vorsorgen. Die dritte Säule steht für die freiwillige private Altersvorsorge, von staatlich geförderten Produkten, wie dem ab 2027 eingeführten Altersvorsorgedepot bis hin zur eigenständigen Anlage in Aktien, Fonds oder Immobilien.

Die Geschichte der privaten Altersvorsorge

Um die Geschichte der privaten Altersvorsorge besser verstehen zu können, ist es wichtig zunächst klar zu definieren, was wir damit meinen, wenn wir von privater Altersvorsorge sprechen. Private Altersvorsorge meint alle freiwilligen Maßnahmen einer Person, durch die sie während der Erwerbsphase Kapital aufbaut, um im Alter über ausreichend finanzielle Mittel zu verfügen, nicht mehr auf Arbeit angewiesen zu sein und alleine von diesem angesparten Kapital zu leben. Somit ist die reine Form der privaten Altersvorsorge – abgesehen von solcher, die sowohl steuerlich als auch direkt vom Staat bezuschusst wird – die älteste Form der Vorsorge überhaupt. Das Konzept der Altersvorsorge existiert also eigentlich so lange, wie Menschen ein Verständnis für Vergänglichkeit besitzen. So war selbst die Familie oder Sippe in der Antike und bei frühen Menschen eine Art der Altersvorsorge, da hierdurch Schwache und Alte geschützt sowie mitversorgt wurden. Ein Generationenvertrag, der dadurch aufrechterhalten wurde, dass man selbst im Alter auf dieselbe Fürsorge zählen konnte. Selbst über den Tod hinaus konnte im Mittelalter durch sogenannte Seelenheil-Stiftungen vorgesorgt werden und damit das Leben im Jenseits zu sichern. Abgesehen davon wurde auch im Diesseits durch den Besitz von Immobilien, Land, Forst und anderen Ressourcen mindestens seit es eine gewisse Vertragssicherheit gab, also bereits in der Antike und im frühen Mittelalter vorgesorgt.

Zwischen-Fazit

„Die private Altersvorsorge ist die Säule des Drei-Säulen-Modells der Altersvorsorge, die tatsächlich unbegrenzt skalierbar ist und damit finanzielle Freiheit schaffen kann.“

Dr. Marc Breidenbach

Merkmale der privaten Altersvorsorge

Staatlich gefördert

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge umfasst Produkte, bei denen der Staat den Vermögensaufbau durch direkte Zulagen oder steuerliche Vergünstigungen aktiv bezuschusst. Die Riester-Rente, seit 2002 das Leitprodukt dieser Kategorie, verlor durch komplexe Fördersystematik, renditemindernde Garantiepflichten und eine lange Niedrigzinsphase zunehmend an Attraktivität. Mit dem Altersvorsorgereformgesetz von 2026 wurde die Förderarchitektur grundlegend reformiert. Das neue Altersvorsorgedepot ersetzt das bisherige Riester-Produkt durch ein renditeorientiertes, garantiefreies Depot mit vereinfachter, beitragsproportionaler Zulagenförderung und auf 1,5 Prozent begrenzten Effektivkosten beim Standardprodukt. Die Rürup-Rente (Basisrente) bleibt als steuerlich abzugsfähiges Instrument insbesondere für Selbstständige und Gutverdiener bestehen. Der zentrale Vorteil geförderter Produkte liegt in der vorgelagerten Steuerfreistellung der Beiträge bei nachgelagerter Besteuerung in der Auszahlungsphase. Der Nachteil in der eingeschränkten Flexibilität und den gesetzlich geregelten Auszahlungsmodalitäten.

Vom Staat unabhängige Vorsorge

Die ungeförderte private Altersvorsorge unterliegt keinen staatlichen Produktvorgaben, Zertifizierungspflichten oder Auszahlungsrestriktionen. Sie umfasst sämtliche Formen des eigenverantwortlichen Kapitalaufbaus, von börsennotierten Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und ETFs über Sachwerte wie Immobilien, Rohstoffe und Edelmetalle bis hin zu illiquiden Anlageklassen wie Private Equity oder Venture Capital. Der entscheidende strukturelle Vorteil gegenüber geförderten Produkten liegt in der vollständigen Skalierbarkeit. Weder Einzahlungshöhe noch Anlagestrategie sind regulatorisch begrenzt. Damit ist diese Form der Vorsorge die Einzige, die theoretisch vollständige finanzielle Unabhängigkeit im Alter ermöglichen kann. Steuerlich unterliegen Erträge in der Regel der Abgeltungsteuer, Immobilienerträge der Einkommensteuer. Das Risiko liegt vollständig beim Anleger. Rendite und Absicherung sind unmittelbar abhängig von Anlagehorizont, Diversifikation und Marktkenntnissen.

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

André Kostolany

Wie gehen wir vor?

Altersvorsorge ist so individuell wie die Menschen dahinter. Jede Person hat eine andere Ausgangsposition, andere Verbindlichkeiten und eine andere Einkommensstruktur. Die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Vorsorge und geförderte private Altersvorsorge, wie das Altersvorsorgedepot, eignen sich ideal, auch in Kombination, das Auskommen im Alter durch Förderung des Staates und Arbeitgebers abzusichern.

Wer den Lebensstandard darüber hinaus im Alter nicht nur halten, sondern ausbauen möchte, sollte selbst am Kapitalmarkt investieren. Investments sind allerdings kein Spiel, sondern basieren auf harten Fundamentaldaten, die von professionellen Vermögensverwaltern in eine Investmentstrategie übersetzt werden. Wer also selbst nicht das Wissen hat, Einzeltitel auszuwählen, kann entweder sein Geld in breit gestreute Indexfonds investieren oder die Titelselektion einem professionellen Asset-Manager überlassen.

Breidenbach von Schlieffen & Co. hilft als professioneller Vermögensverwalter bei der Auswahl der geeigneten Investmentstrategien, indem die individuelle Situation eines jeden Anlegers gründlich analysiert wird und dann dafür die Strategie gewählt wird, die sowohl zur Risikotoleranz als auch zur Tragfähigkeit passt.

In unserer Ratgeberreihe Das magische Dreieck der Geldanlage haben wir unterschiedliche Szenarien skizziert, die beispielhaft Lebenssituationen beschreiben und dazu passend erklären welche Anlagestrategie und Risikoprofil dazu am besten passt.

Fazit

„Altersvorsorge ist für die meisten Privatpersonen das zentrale Motiv des Investierens. Folglich sollte man sich intensiv sowohl mit der staatlichen als auch mit der staatlich geförderten Vorsorge beschäftigen. Die private Kapitalanlage sollte dabei jedoch nicht außen vor bleiben – im Gegenteil. Aufgrund ihrer nahezu unbegrenzten Skalierbarkeit und Flexibilität verdient sie einen ganz besonderen Platz in der persönlichen Vorsorgestrategie.“

Magnus von Schlieffen

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