Welche Nachteile hat ein Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein komplexes Produkt mit einer spezifischen Förderlogik. Neben zahlreichen Vorteilen, etwa einer im Vergleich zum bisherigen Riester-Modell deutlich erweiterten Anlageauswahl sowie staatlicher Förderung durch Zulagen und Steuervorteile, gibt es einige Punkte, die zu beachten sind. Zum einen die fehlende Kapitalgarantie, im Vergleich zu einem freien ETF-Depot verhältnismäßig hohe Kostenobergrenzen, eine im Vergleich zu einem freien Depot eingeschränkte (durch eine gesetzliche Positivliste begrenzte) Anlageauswahl sowie eine von der gewählten Auszahlungsform abhängige Vererbbarkeit.

Fehlende Kapitalgarantie

Im Gegensatz zu klassischen Riester-Verträgen verzichtet das Altersvorsorgedepot bewusst auf eine Kapitalgarantie. Das bedeutet, dass das eingezahlte Kapital vollständig dem Marktrisiko unterliegt und am Ende der Ansparphase auch weniger wert sein kann, als ursprünglich eingezahlt wurde. Im Gegenzug eröffnet dieser Verzicht die Chance auf deutlich höhere Renditen, da das Kapital breiter gestreut und renditeorientierter angelegt werden kann als bei Garantieprodukten. Wer ein höheres Sicherheitsbedürfnis hat, kann sich alternativ für ein gefördertes Garantieprodukt entscheiden, bei dem zumindest die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Die Entscheidung zwischen beiden Produktkategorien sollte daher von der individuellen Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und der persönlichen finanziellen Situation abhängen.

Verhältnismäßig hohe Kostenobergrenze

Auch wenn die Reform erstmals einen gesetzlichen Kostendeckel für das Standarddepot einführt, liegt dieser mit 1,5 Prozent deutlich über den Kosten, die für einen breit streuenden Aktien-ETF üblicherweise anfallen. Im Vergleich zu einem kostengünstigen, ungeförderten ETF-Sparplan kann sich dieser Unterschied über die lange Laufzeit der Altersvorsorge spürbar auf die Rendite auswirken. Verbraucherschützer kritisieren zudem, dass die heterogene Produktlandschaft mit zahlreichen unterschiedlichen Fonds-Kombinationen eine echte Kostenvergleichbarkeit zwischen Anbietern erschwert. Es lohnt sich daher, die individuellen Kostenstrukturen verschiedener Anbieter genau zu prüfen und nicht vorschnell das erstbeste Angebot zu wählen. Wer in der Produktwahl unsicher ist, kann auch das geplante staatlich organisierte Standardprodukt abwarten und es anschließend mit privaten Angeboten vergleichen.

„A low-cost index fund is the most sensible equity investment for the great majority of investors.“

John C. Bogle

The Vanguard Group

Berechnung der Zulage und Steuererstattung des Altersvorsorgedepot

Die staatliche Förderung der neuen Basisrente setzt sich aus Grundzulage, Kinderzulage und einem optionalen Berufseinsteigerbonus zusammen – abhängig von Ihrer jährlichen Sparrate und Ihrem Steuersatz. Mit diesem Rechner können Sie Ihre individuelle Förderung berechnen und sehen, ob die Günstigerprüfung eine zusätzliche Steuerrückerstattung ergibt. Geben Sie einfach Ihre persönlichen Angaben ein und der Rechner zeigt Ihnen sofort Ihre gesamte jährliche Förderung.

Angaben
1.800 €
Max. förderbarer Eigenbeitrag: 1.800 € | Max. Sparrate: 6.840 €

Ergebnis

Begrenzte Produktauswahl

Anders als bei einem freien, ungeförderten Wertpapierdepot ist die Anlageauswahl im Altersvorsorgedepot durch eine gesetzliche Positivliste eingeschränkt. Zulässig sind im Wesentlichen bestimmte Investmentfonds (OGAW-Sondervermögen und offene Publikums-AIF bis zur Risikoklasse 5), europäische langfristige Investmentfonds (ELTIFs) sowie auf Euro lautende Anleihen von Bund, Ländern, Gemeinden oder vergleichbaren EU-Institutionen. Beim besonders einfachen Standarddepot reduziert sich die Auswahl sogar auf lediglich zwei vom Anbieter vorab festgelegte Fonds, zwischen denen die Aufteilung der eigenen Beiträge gewählt werden kann. Diese Beschränkung dient zwar dem Anlegerschutz und soll übermäßige Risiken verhindern, schränkt aber gleichzeitig die individuelle Gestaltungsfreiheit gegenüber einem frei wählbaren Depot ein. Wer sehr spezifische Anlagewünsche hat, etwa Einzelaktien oder bestimmte Fondstypen außerhalb der Positivliste, kann diese im Altersvorsorgedepot nicht umsetzen.

Vererbbarkeit des Altersvorsorgedepots

Die Vererbbarkeit des Altersvorsorgedepots ist kein einheitliches Merkmal, sondern hängt entscheidend davon ab, für welche Auszahlungsform man sich am Ende der Ansparphase entscheidet. Wird das Kapital als lebenslange Leibrente ausgezahlt, endet die Zahlung grundsätzlich mit dem Tod, und ein verbleibendes Restkapital fällt an den Anbieter, sofern keine Rentengarantiezeit vereinbart wurde. Bei einem befristeten Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft, bleibt das noch nicht verbrauchte Restkapital dagegen vererbbar. In der Ansparphase ist das angesparte Vermögen generell vererbbar, wobei eine Übertragung auf den Vertrag des überlebenden Ehe- oder Lebenspartners ohne Abzüge möglich ist, während andere Erben die erhaltene Förderung zurückzahlen müssen. Wer Wert auf eine sichere Vererbbarkeit legt, sollte diesen Aspekt daher bereits bei der Wahl der späteren Auszahlungsform aktiv berücksichtigen.

Wie gehen wir vor?

Family Offices können eine Berechtigung zur Finanzportfolioverwaltung besitzen und dadurch dann auch Vermögen verwalten. Eine Erscheinungsform von Vermögensverwaltern sind neben den klassischen Fondsmanager auch Multi-Family Offices, die die Auswahl der für ihre Kunden geeignete Fondsmanager übernehmen, dort Spezialmandate arrangieren und dadurch selbst zum Vermögensverwalter werden. Ein Family Office bietet aber deutlich umfangreichere Dienstleistungen als die reine Verwaltung von großen Familienvermögen. Multi-Family-Offices, wie Breidenbach von Schlieffen übernehmen zum einen die Finanzportfolioverwaltung, also die Vermögensverwalterauswahl und zum anderen Vermögensverbuchung, Vermögensreporting sowie Vermögenscontrolling.

Breidenbach von Schlieffen & Co. erzielt seit Jahren konstant gute Ergebnisse mit dem hauseigenen Multi-Manager-Ansatz, dessen DNA in Zukunft aus im Altersvorsorgedpot gespiegelt werden könnte.

Zusammenfassungsbox

„Risiko – insbesondere durch die fehlende Kapitalgarantie – und Kosten sind zwei der zentralen Faktoren, die die tatsächliche Rendite eines Altersvorsorgedepots bestimmen, und sollten stets im Verhältnis zu den erwarteten Erträgen und der staatlichen Förderung betrachtet werden. Hinzu kommen die durch die begrenzte Produktauswahl, die individuelle Anlagewünsche einschränken kann, sowie eine Vererbbarkeit, die nicht pauschal gegeben ist, sondern maßgeblich von der gewählten Auszahlungsform abhängt. Diese vier Aspekte – Risiko, Kosten, Produktauswahl und Vererbbarkeit – stehen dabei nicht isoliert nebeneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig und sollten daher gemeinsam und im Kontext der individuellen Lebenssituation bewertet werden.“

Magnus von Schlieffen

Über den Autor

Magnus v. Schlieffen hat mehr als 35 Jahre Erfahrung im Kapitalmarkt. Er war für verschiedene internationale Banken in leitenden Positionen in München, New York und Frankfurt tätig. Als ausgebildeter Volkswirt sind seine Schwerpunkte die Analyse von Kapitalmärkten und deren Anlageklassen, Regulierung, Nachhaltigkeit und die Analyse von Vermögensverwaltern, Fonds- und Investmentmanager. Er ist der Chief-Investment-Officer (CIO) von Breidenbach von Schlieffen & Co. und prägt so die Meinung des Hauses.

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