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Wann endet die Panik?

Märkte hören auf, panisch zu sein, wenn Zentralbanken beginnen, panisch zu werden……

Die Achterbahnfahrt an den internationalen Aktienmärkten setzt sich weiter fort. Während die europäischen Börsen nach der Erholungsbewegung vom Dienstag gestern wieder rückläufig tendierten, stiegen die Kurse der am Vortag schwachen Wall Street deutlich an. Grund hierfür dürften wohl zum einen die guten Zahlen der Auftragseingänge gewesen sein, wie auch eine Aussage von NY FED Politiker, dass eine Erhöhung der Zinsen im September kein zwingendes Muss sei. So etwas führt schnell dazu, dass getätigte Leerverkäufe eingedeckt werden müssen und der Kaufdruck zunimmt.

Warum sind die Kurse eigentlich überhaupt gefallen?

  •  ein viel zu stark gestiegener Aktienmarkt in China Mainland (A-Shares), der vollkommen überhitzt war und sich korrigieren musste. Hier haben die Politiker des chinesischen Staatskapitalismus versagt und bewiesen, dass sie von Kapitalverkehrsströmen noch nicht so viel verstehen.
  •  Mit dem Verfall der Kurse aufkommende Wachstumssorgen in China und damit in Asien (auch Länder wie Indonesien oder Malaysien wachsen dieses Jahr deutlich schlechter als zunächst erwartet).
  •  In diesem Umfeld hätte die chinesische Zentralbank (PBOC) die Zinsen senken müssen, um die Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) auf ein Niveau zu bringen, dass eine Volkswirtschaft belebt.
  •  Auf der anderen Seite steht die starke US Wirtschaft, die einen Zinsanstieg notwendig macht, um Inflationsgefahren zu reduzieren. Damit wirken die US Zinsen wie ein Magnet für das Internationale Kapital (Letzteres war wohl der Grund, warum die PBOC die Zinsen zunächst nicht gesenkt hatte).
  •  Die Welt hatte erwartet, dass Zentralbanken handeln. Der Chefstratege von Bank of America Merrill Lynch sagt immer: „Märkte hören auf panisch zu reagieren, wenn Zentralbanken beginnen panisch zu werden“. Der Monat August ist Ferienmonat, in dem keine Zentralbanksitzungen stattfinden. Für deutliche Reaktionen werden wir bis September warten müssen.
  •  Menschen sahen also nur noch den Giganten China (2. größte Volkswirtschaft der Welt) schwächeln und fühlten sich nicht nur an die Asienkrise des Jahres 1998 erinnert (der Dax fiel um 38%), sondern auch an die Krise in den USA aus dem Jahr 2008/2009 (der DAX fiel um 44%) sowie an die Eurokrise des Jahres 2011 (der Dax fiel um 30%).
  •  diese Kombination hatte dann zu dem globalen Sell Off geführt (der DAX verlor 20%).

Für uns steht fest, dass die FED die Zinsen nicht erhöhen wird, wenn es zu einer globalen Abschwächung der Weltwirtschaft kommt. Dann kann sich die PBOC Zinssenkungen eher leisten. Führt die Gemengelage wieder zu disinflationären Tendenzen, wird die EZB ihr Anleihe Ankaufprogramm noch mal erhöhen. Damit hätten wir den Fall, dass Zentralbanken „panisch“ würden:

  • Die PBOC hat bereits reagiert
  • Mitglieder der FED haben gesagt, dass eine Erhöhung der Zinsen im September nicht zwingend notwendig ist.
  • EZB-Chefvolkswirt Peter Preat betonte, dass das Risiko, dass das Inflationsziel von 2% nach unten weiter verfehlt werde, gestiegen sei. Die EZB sei notfalls zu weiteren Schritten bereit
  • Sehr wahrscheinlich werden wir im September von den Zentralbanken noch einiges mehr hören….

Aktien wie BMW oder Richemont haben von der Spitze 35% verloren (2008 waren es 60%). Der US Konsument stellt 27% des globalen Konsums. Wenn es also dem US Konsumenten schlecht geht (und dem ging es 2008 schlecht), muss das eine Auswirkungen auf Unternehmen wie BMW haben. Die Menschen in China sind für 11% des globalen Konsums verantwortlich, was eindeutig viel ist und ein Kursrückgang von 35% gerechtfertigt erscheint. ALLERDINGS ist der Konsumkorb der Menschen in China deutlich anders, als der des US Konsumenten. Entsprechend scheinen die Rückgänge zu stark zu sein.

Natürlich können wir nicht ausschliessen, dass Aktien wieder und noch weiter fallen werden. In Phasen hoher Volatilität stellt der „elektronische Handel“ schnell weit mehr als 50% des Wertpapierhandels dar. Ein elektronischer Handel kann nicht rational sein und wirkt trendverstärkend (das gilt für beide Richtungen). Ob diese Phase ausgestanden ist, wissen wir nicht.

Wir wissen aber, dass Unternehmen weltweit heute eine deutlich höhere Kostendisziplin und Bilanzqualtät haben, als in früheren Korrekturphasen. Entsprechend kann die ökonomische Auswirkung nicht so dramatisch sein.

Wir teilen die Meinung der Deutsche Asset Management, dass wir in einem Schildkrötenzyklus sind. Die Weltwirtschaft wächst langsamer, dafür wahrscheinlich länger. Einen solchen Zyklus hat es in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben. Also hat niemand Erfahrung damit. Der Grund für diesen langsamen Zyklus liegt sehr wahrscheinlich im Verhalten der Unternehmer und Unternehmen, die alle Erfahrungen aus den Jahren 1998, 2001, 2008 und 2011 haben. Einen derartigen Ergebniseinbruch wollen diese nicht noch mal erleben, also agieren sie konsequent vorsichtig. Dieses Verhalten schützt Cash Flows und damit Bewertungen!

Dieses wiederum bedeutet, dass Wachstum noch viel länger ein knappes Gut bleibt. Hier teilen wir die Meinung von Flossbach von Storch, dass bei der Aktienauswahl der Fokus auf Qualitätsunternehmen mit klarem Wachstumsprofil sein sollte. Der jüngste Sell Off bietet Chancen, solche Unternehmen wesentlich preiswerter als vor 3 Monaten zu kaufen.

Der risikofreie Zins liegt bei NULL oder darunter. Rendite gibt es nur mit Risiko. Also gilt es das Risiko zu managen. Uns erscheint es noch am einfachsten, das Cash Flow Risiko von Qualitätsunternehmen zu managen. Wir mögen auch Unternehmensanleihen sowie manche Nachranganleihen von Unternehmen. Wir raten hohe Verschuldungsgrade, zu zyklische Geschäfte und staatlich regulierte Geschäftsfelder zu meiden. Wir raten auch jegliche Quantitative Modelle zu meiden, da diese i.d.R. nicht antizyklisch handeln, sondern dem Trend hinterherlaufen.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Herzlichst,

Ihr Team von Breidenbach von Schlieffen & Co.



HINWEIS:
Dieser Blogbeitrag und dessen Inhalt stellt keinerlei Handlungsempfehlung dar, sondern dient lediglich der Information.

Teaser image by bev robinson from Pixabay


Über den Autor

Magnus v. Schlieffen hat mehr als 30 Jahre Erfahrung im Kapitalmarkt. Er war für verschiedene internationale Banken in leitenden Positionen in München, New York und Frankfurt tätig. Als ausgebildeter Volkswirt sind seine Schwerpunkte die Analyse von Kapitalmärkten und deren Anlageklassen, Regulierung, Nachhaltigkeit und die Analyse von Vermögensverwaltern, Fonds- und Investmentmanager. Er ist der Chief-Investment-Officer (CIO) von Breidenbach von Schlieffen & Co. und prägt so die Meinung des Hauses.

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