Betrachten wir nun folgenden Fall. Eine Witwe, Mitte sechzig, erbt das gemeinsame Haus aufgrund des plötzlichen Tods ihres Mannes. Besagte Dame hat nie selbst gearbeitet somit nur Anspruch auf die verhältnismäßig geringe monatliche Witwenrente (netto 1.500€), die allerdings nun nicht mehr ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb entscheidet sie sich, ihr Haus zu verkaufen und rechnet mit einem Verkaufserlös von 500.000€. Die Witwe hat bisher noch keine Erfahrungen mit Kapitalanlagen sammeln können und hat auch sonst keine nennenswerten Kenntnisse im Bereich Kapitalmarkt. Darüber hinaus existieren auch keine Kinder, die sie finanziell unterstützen könnten oder Erbansprüche bezüglich des Hauses und damit verbunden Verkaufserlöses stellen könnten. Für die Dame ist es demnach irrelevant, ob nach ihrem Ableben noch Vermögen zu vererben ist, kann also den Verkaufserlös komplett verzehren.
Das Magische Dreieck der Geldanlage mit beispielhaft eingezeichneten Anlageklassen. Dieses Schaubild macht visuell deutlich, dass nicht alle Anlageziele hinreichend erfüllt werden können.
Um eine passende Anlagestrategie entwickeln zu können, muss man zunächst die Anlageparameter abstecken. Hierbei orientiert man sich an den drei Hauptziele: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität der Anlage. Diese können mithilfe folgender Angaben ermittelt werden.
Ermittlung der persönlichen Anlageziele mithilfe folgender Angaben:
Wie jeder rationale Investor hat die Dame vor maximale Rendite für ihr Risikoprofil zu erwirtschaften. Die Rendite wird in diesem Fall allerdings durch ihre persönliche Situation erheblich geschmälert, da die Witwe den Verkaufserlös zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes ab dem Zeitpunkt des Verkaufes benötigt, um zum einen Miete für eine zukünftige Wohnung zahlen zu können und zum anderen um die Witwenrente monatlich aufzustocken. Betrachtet man nun ihre persönliche Situation fällt auf, dass die Anlageziele Liquidität und Sicherheit für sie besonders wichtig sind. Das Magische Dreieck der Vermögensanlage zeigt nun gut wenn diese Ziele hinreichend erfüllt werden sollen muss die Rentabilität vernachlässigt werden, da wie das Magische Dreieck der Vermögensanlage graphisch gut zeigt, nur zwei der drei Anlageziele erfüllt werden können.
Die Sicherheit der Anlage stellt in diesem besonderen Fall ein wichtiges Anlageziel dar. Die Witwe benötigt den anzulegenden Geldbetrag sofort, um ihre monatlichen Verpflichtungen nachkommen zu können. Es kann folglich kein hohes Risiko eingegangen werden, da eine starke Volatilität bei monatlichem Verzehr zu großen Verlusten führen würde und die Dame womöglich ihren monatlichen Verpflichtungen in einigen Jahren nicht mehr nachkommen könnte. Das Anlageziel Sicherheit nimmt also eine Zentrale Rolle in der Anlagestrategie ein, weil dieses für ihre persönliche Situation besonders wichtig ist.
Ein weiteres sehr wichtiges Anlageziel in diesem speziellen Fall ist die sofortige und jederzeitige Verfügbarkeit zumindest eines gewissen monatlichen Geldbetrags. Dies ist der Fall, da die Dame vor hat, sich jeden Monat eine gewisse Summe auszahlen zu lassen um damit ihre Miete und Lebensunterhalt zu finanzieren. Eine ausschließliche Anlage in geschlossene Fonds oder andere Illiquide Vermögenswerte ist also ausgeschlossen. Im Grunde ist sie ja durch die Immobilie in einer Illiquiden Anlageklasse investiert und dies stellt genau das Problem dar. Folglich findet eine Neugestaltung ihrer Illiquiden Vermögensallokation hin zu einer liquiden Anlage statt.
Investitionsbetrag dieses Jahr | 500.000€ |
Einkommenssituation und kurzfristig verfügbares Vermögen | |
Nettoeinkünfte p.a. | 18.000€ |
Ausgaben p.a. | 54.000€ |
Überschuss p.a. | – 36.000€ |
Kurzfristig verfügbarer Betrag | 500.000€ |
Der Einkommens- und Nettovermögensnachweis gibt Auskunft über die höhe des Vermögens und über die jährlichen Zuflüsse. Er ist essentiell um die Sparquote und das Gesamtvermögen im Rentenalter berechnen zu können.
Summe Aktiva | 100,00% | 600.000€ |
Aktiva | ||
Bargeld | 83,33% | 500.000€ |
Wertpapiere | ||
Versicherungen | 16,66% | 100.000€ |
Beteiligungen | – | – |
Immobilien | – | – |
Summe Passiva | 100,00% | 600.000€ |
Passiva | ||
Eigenkapital | 100,00% | 600.000€ |
Bankverbindlichkeiten | – | – |
Sonst. Verbindlichkeiten | – | – |
Die Private Vermögensbilanz weist neben der Vermögenshöhe zu einem bestimmten Stichtag auch die Vermögensherkunft und die Verwendung aus. In diesem speziellen Fall entspricht die Bilanzsumme dem Eigenkapital, da kein Fremdkapital für Kredite, wie beispielsweise einen Hauskredit bestehen. Darüber hinaus macht die private Vermögensbilanz auch die Verwendung des Vermögens deutlich die hier zum einen aus dem liquiden Vermögen besteht und zum anderen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
Auf Grundlage der oben getätigten Angaben kann die Risikoaffinität bestimmt werden, diese ist hier Moderat ausgeprägt, dies wiederum beeinflusst die Risikotragfähigkeit..
Resultierend aus den Angaben bezüglich der Risikoaffinität, also ihrer finanziellen Situation und emotionalen und psychischen Einstellung gegenüber dem Risiko kann die Risikotragfähigkeit hier mit Moderat festgesetzt werden.
Basierend auf den fehlenden Kenntnissen und Erfahrungen der Witwe im Umgang mit Wertpapieren wird die Risikoklasse hier als Moderat eingestuft. Aufgrund der spezifischen Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse wird nun eine Anlagestrategie entwickelt, die zu diesem Risikoprofil passt.
Wir haben uns eingehend mit der persönlichen Situation der Wittwe befasst und anhand des Magischen Dreiecks der Vermögensanlage ihre individuellen Anlageziele definiert. Daraufhin konnten wir die Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse festlegen und eine passende Anlagestrategie für ihr persönliches Risikoprofil entwickeln. Durch die Umsetzung dieser Strategie können wir nun auch die jährlichen Renditen berechnen und ihre finanzielle Situation während ihres Ruhestands analysieren.
Annahmen:
Parameter:
Berechnung:
Dieses Berechnungen gelten nur als Beispiel, stellen keine Anlageempfehlung dar und sind frei gewählt, beruhen nicht auf tatsächlichen Kunden. Der Ratgeberbeitrag soll lediglich Orientierung bieten, um die eigene Situation besser einschätzen zu können.
„Aufgrund des bestehenden Risikoprofils ( B – Moderat) wäre nur eine defensive Anlagestrategie mit max. 35% Aktien vertretbar. Bei einer statistischen Lebenserwartung von ca. 86 Jahren, würde die Witwe bei einer zu erwartenden Rendite von 3,5% p.a. Ihre Lebenshaltung nicht decken können. Es ist eine Reduktion der Lebenshaltungskosten notwendig, um die gewünschten Ziele zu erreichen.“
Dr. Marc Breidenbach
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