Ich habe mein Haus verkauft. Wie lege ich 500.000 EUR für meinen Lebensunterhalt an?

Beschreibung eines fiktiven Fallbeispiels und der damit verbundenen Herausforderung

Betrachten wir nun folgenden Fall. Eine Witwe, Mitte sechzig, erbt das gemeinsame Haus aufgrund des plötzlichen Tods ihres Mannes. Besagte Dame hat nie selbst gearbeitet somit nur Anspruch auf die verhältnismäßig geringe monatliche Witwenrente (netto 1.500€), die allerdings nun nicht mehr ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb entscheidet sie sich, ihr Haus zu verkaufen und rechnet mit einem Verkaufserlös von 500.000€. Die Witwe hat bisher noch keine Erfahrungen mit Kapitalanlagen sammeln können und hat auch sonst keine nennenswerten Kenntnisse im Bereich Kapitalmarkt. Darüber hinaus existieren auch keine Kinder, die sie finanziell unterstützen könnten oder Erbansprüche bezüglich des Hauses und damit verbunden Verkaufserlöses stellen könnten. Für die Dame ist es demnach irrelevant, ob nach ihrem Ableben noch Vermögen zu vererben ist, kann also den Verkaufserlös komplett verzehren.

Anlageziele bestimmen die Anlagestrategie

Das Magische Dreieck der Geldanlage mit beispielhaft eingezeichneten Anlageklassen. Dieses Schaubild macht visuell deutlich, dass nicht alle Anlageziele hinreichend erfüllt werden können.

Anlageparameter

Um eine passende Anlagestrategie entwickeln zu können, muss man zunächst die Anlageparameter abstecken. Hierbei orientiert man sich an den drei Hauptziele: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität der Anlage. Diese können mithilfe folgender Angaben ermittelt werden.

Ermittlung der persönlichen Anlageziele mithilfe folgender Angaben:

  1. Anlagehorizont: mittelfristig (d.h. 3-5 Jahre)
  2. Anlagesumme: 500.000EUR
  3. Anlageziel:Werterhalt
  4. Zweck der Anlage: Erzielung regelmäßiger Einkünfte
  5. Rendite-Risiko-Profil: B – Moderat, angestrebt werden angemessene, dafür relativ nachhaltige Anlageergebnisse (Renditeerwartung: 3-5%)
  6. Liquiditätsbedarf: Ja
  7. Kenntnisse: nicht vorhanden
  8. Erfahrungen mit Kapitalanlage: nicht vorhanden

Rentabilität, Sicherheit und Liquidität

Rentabilität

Wie jeder rationale Investor hat die Dame vor maximale Rendite für ihr Risikoprofil zu erwirtschaften. Die Rendite wird in diesem Fall allerdings durch ihre persönliche Situation erheblich geschmälert, da die Witwe den Verkaufserlös zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes ab dem Zeitpunkt des Verkaufes benötigt, um zum einen Miete für eine zukünftige Wohnung zahlen zu können und zum anderen um die Witwenrente monatlich aufzustocken. Betrachtet man nun ihre persönliche Situation fällt auf, dass die Anlageziele Liquidität und Sicherheit für sie besonders wichtig sind. Das Magische Dreieck der Vermögensanlage zeigt nun gut wenn diese Ziele hinreichend erfüllt werden sollen muss die Rentabilität vernachlässigt werden, da wie das Magische Dreieck der Vermögensanlage graphisch gut zeigt, nur zwei der drei Anlageziele erfüllt werden können.

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Sicherheit

Die Sicherheit der Anlage stellt in diesem besonderen Fall ein wichtiges Anlageziel dar. Die Witwe benötigt den anzulegenden Geldbetrag sofort, um ihre monatlichen Verpflichtungen nachkommen zu können. Es kann folglich kein hohes Risiko eingegangen werden, da eine starke Volatilität bei monatlichem Verzehr zu großen Verlusten führen würde und die Dame womöglich ihren monatlichen Verpflichtungen in einigen Jahren nicht mehr nachkommen könnte. Das Anlageziel Sicherheit nimmt also eine Zentrale Rolle in der Anlagestrategie ein, weil dieses für ihre persönliche Situation besonders wichtig ist.

Liquidität

Ein weiteres sehr wichtiges Anlageziel in diesem speziellen Fall ist die sofortige und jederzeitige Verfügbarkeit zumindest eines gewissen monatlichen Geldbetrags. Dies ist der Fall, da die Dame vor hat, sich jeden Monat eine gewisse Summe auszahlen zu lassen um damit ihre Miete und Lebensunterhalt zu finanzieren. Eine ausschließliche Anlage in geschlossene Fonds oder andere Illiquide Vermögenswerte ist also ausgeschlossen. Im Grunde ist sie ja durch die Immobilie in einer Illiquiden Anlageklasse investiert und dies stellt genau das Problem dar. Folglich findet eine Neugestaltung ihrer Illiquiden Vermögensallokation hin zu einer liquiden Anlage statt.

Analyse der finanziellen Verhältnisse (Risikotragfähigkeit)

Verfügbarer Investitionsbetrag

Investitionsbetrag dieses Jahr 500.000€
Einkommenssituation und kurzfristig verfügbares Vermögen
Nettoeinkünfte p.a.   18.000€
Ausgaben p.a.   54.000€
Überschuss p.a. – 36.000€
Kurzfristig verfügbarer Betrag 500.000€

Hinweis

Der Einkommens- und Nettovermögensnachweis gibt Auskunft über die höhe des Vermögens und über die jährlichen Zuflüsse. Er ist essentiell um die Sparquote und das Gesamtvermögen im Rentenalter berechnen zu können.

Vermögensbilanz

Summe Aktiva 100,00% 600.000€
Aktiva
Bargeld 83,33% 500.000€
Wertpapiere
Versicherungen 16,66% 100.000€
Beteiligungen
Immobilien
Summe Passiva 100,00% 600.000€
Passiva
Eigenkapital  100,00% 600.000€
Bankverbindlichkeiten
Sonst. Verbindlichkeiten

Hinweis

Die Private Vermögensbilanz weist neben der Vermögenshöhe zu einem bestimmten Stichtag auch die Vermögensherkunft und die Verwendung aus. In diesem speziellen Fall entspricht die Bilanzsumme dem Eigenkapital, da kein Fremdkapital für Kredite, wie beispielsweise einen Hauskredit bestehen. Darüber hinaus macht die private Vermögensbilanz auch die Verwendung des Vermögens deutlich die hier zum einen aus dem liquiden Vermögen besteht und zum anderen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit, Risikoklasse

Risikoaffinität

Auf Grundlage der oben getätigten Angaben kann die Risikoaffinität bestimmt werden, diese ist hier Moderat ausgeprägt, dies wiederum beeinflusst die Risikotragfähigkeit..

Risikotragfähigkeit

Resultierend aus den Angaben bezüglich der Risikoaffinität, also ihrer finanziellen Situation und emotionalen und psychischen Einstellung gegenüber dem Risiko kann die Risikotragfähigkeit hier mit Moderat festgesetzt werden.

Risikoklasse

Basierend auf den fehlenden Kenntnissen und Erfahrungen der Witwe im Umgang mit Wertpapieren wird die Risikoklasse hier als Moderat eingestuft. Aufgrund der spezifischen Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse wird nun eine Anlagestrategie entwickelt, die zu diesem Risikoprofil passt.

Skizzierung der Lösung

Wir haben uns eingehend mit der persönlichen Situation der Wittwe befasst und anhand des Magischen Dreiecks der Vermögensanlage ihre individuellen Anlageziele definiert. Daraufhin konnten wir die Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse festlegen und eine passende Anlagestrategie für ihr persönliches Risikoprofil entwickeln. Durch die Umsetzung dieser Strategie können wir nun auch die jährlichen Renditen berechnen und ihre finanzielle Situation während ihres Ruhestands analysieren.

Berechnung

Annahmen:

  • Alter: 65 Jahre (bereits Rentnerin)
  • Anfangskapital: entspricht dem Investitionsbetrag dieses Jahr = 500.000 EUR
  • Jährlicher Liquiditätsbedarf: 36.000 EUR

Parameter:

  • Risikoprofil B  – Moderat
  • durchschnittlich zu erwartenden Rendite für eine Anlage über einen Zyklus (d.h. im Schnitt 7 Jahre) = 3,5%
  • Geringe Kursschwankungen werden akzeptiert. Es besteht die Bereitschaft einen kleinen Teil des Anlagekapitals risikoreicher zu investieren. Das durchschnittliche historische Verlustpotential betrug in einem 12-Monats-Zeitraum ca. 5% (rein indikativ).

Berechnung:

  • Anlagehorizont = 252 Monate (Lebenserwartung ca. 86 Jahre = 21 Jahre)
  • Verzinsung = 0,2917 % pro Monat (entspricht 3,5% p.a. mit monatlichem Zinseszinseffekt)
  • Investition zum Start = 500.000 EUR
  • Unterhalt = 3.000 EUR/Monat (= 36.000 EUR/Jahr)
  • Unterdeckung = -72.576,13 EUR

Dieses Berechnungen gelten nur als Beispiel, stellen keine Anlageempfehlung dar und sind frei gewählt, beruhen nicht auf tatsächlichen Kunden. Der Ratgeberbeitrag soll lediglich Orientierung bieten, um die eigene Situation besser einschätzen zu können.

Fazit

„Aufgrund des bestehenden Risikoprofils ( B – Moderat) wäre nur eine defensive Anlagestrategie mit max. 35% Aktien vertretbar. Bei einer statistischen Lebenserwartung von ca. 86 Jahren, würde die Witwe bei einer zu erwartenden Rendite von 3,5% p.a. Ihre Lebenshaltung nicht decken können. Es ist eine Reduktion der Lebenshaltungskosten notwendig, um die gewünschten Ziele zu erreichen.“

Dr. Marc Breidenbach

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