Ich habe mir Geld erarbeitet. Wie lege ich 100.000 EUR für meine Altersvorsorge an?

Beschreibung eines fiktiven Fallbeispiels und der damit verbundenen Herausforderung

Beginnen wir mit dem Szenario eines angestellten Rechtsanwalts Ende 40, welcher sich 100.000€ erarbeitet hat. Von seinem Gehalt als Rechtsanwalt kann dieser seine monatlichen Kosten wie Miete und Haushalt gut begleichen und darüber hinaus noch Sparen. Weitere Verbindlichkeiten wie Bankkredite existieren nicht. Darüber hinaus zahlt besagter Rechtsanwalt als Angestellter einer Kanzlei in das Versorgungswert der Rechtsanwälte ein und wird deshalb im Rentenalter auch Rentenzahlungen erhalten. Sein persönliches Ziel ist es, das bereits erarbeitete Vermögen möglichst rentabel anzulegen und weiter zu sparen, damit er im Alter durch sein erspartes Vermögen weniger abhängig von seiner gesetzlichen Rente ist und so sein Lebensstandard auch im Rentenalter nicht einschränken muss. Über unterschiedliche Möglichkeiten der Kapitalanlage hat bereits durch sein berufliches Umfeld erfahren und erkundigt sich auch regelmäßig im Handelsblatt zu Themen der Wirtschaft und Anlagemöglichkeiten.

Anlageziele bestimmen die Anlagestrategie

Das Magische Dreieck der Geldanlage mit beispielhaft eingezeichneten Anlageklassen. Dieses Schaubild macht visuell deutlich, dass nicht alle Anlageziele hinreichend erfüllt werden können.

Anlageparameter

Um eine passende Anlagestrategie entwickeln zu können, muss man zunächst die Anlageparameter abstecken. Hierbei orientiert man sich an den drei Hauptziele: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität der Anlage. Diese können mithilfe folgender Angaben ermittelt werden.

Ermittlung der persönlichen Anlageziele mithilfe folgender Angaben:

  1. Anlagehorizont: langfristig (d.h. > 5 Jahre)
  2. Anlagesumme: 100.000EUR
  3. Anlageziel: Vermögensaufbau
  4. Zweck der Anlage: Vermögensaufbau zwecks Altersvorsorge
  5. Rendite-Risiko-Profil: C – Mittel, Angestrebt werden Erträge, denen erhöhte Kursschwankungen gegenüberstehen, die akzeptiert werden (Renditeerwartung: 5-7%)
  6. Liquiditätsbedarf: Keiner
  7. Kenntnisse: vorhanden – in ausgewählten Wertpapierarten
  8. Erfahrungen mit Kapitalanlage: nicht vorhanden

Rentabilität, Sicherheit und Liquidität

Rentabilität

Rentabilität ist eine Verhältniszahl und stellt den erwirtschafteten Gewinn dem eingesetzten Kapital, also der Investitionssumme, gegenüber. Die Rentabilität ist damit eine Messgröße für den Erfolg einer Investition oder eines Unternehmens und wird oft als Prozentsatz ausgedrückt, welcher die Höhe der Erträge im Verhältnis zum eingesetzten Kapital abbildet. Rentabilität wird auch oft mit Begriff der Rendite synonym verwendet. Eine hohe Rendite ist das Ziel vieler Anleger, wie das magische Dreieck zeigt geht dies allerdings nicht ohne Einbussen in Bezug auf die Sicherheit oder Liquidität. Im Fall des Rechtsanwaltes ist mit einer höheren Renditeerwartung zu rechnen, was allerdings auch bedeutet, dass ein erhöhtes Risiko eingegangen werden muss, welches dieser allerdings tragen kann, da er als Rechtsanwalt noch andere Einkommensquellen hat und damit nicht allein auf die Erträge aus der Kapitalanlage angewiesen ist.

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Sicherheit

Sicherheit in der Geldanlage bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, dass das investierte Kapital erhalten bleibt und dass der Anleger keine Verluste erleidet. Es ist eine wichtige Überlegung bei der Auswahl von Anlageoptionen und bezieht sich auf das Risiko eines Kapitalverlusts. Das Risiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Geldanlage Verluste entstehen. Je höher das Risiko, desto höher kann die Rentabilität sein, aber auch das Verlustrisiko ist entsprechend höher. Sichere Anlagen sind solche die ein geringeres Risiko und damit eine hohe Sicherheit haben, das Kapitalverlust Risiko ist hier also gering. Umgekehrt sollte man auch beachten das zu viel Sicherheit und damit sehr sichere Anlagen meist eine geringe Rentabilität aufweisen oder wenig liquide sind.Alles in allem sollte die eigene Anlagestrategie der eigenen Risikoaversion entsprechen, die sich dann aber auch in der Rentabilität und Liquidität widerspiegeln kann. Im Fall des Rechtsanwaltes ist die Risikotragfähigkeit recht hoch, was bedeutet, dass sein persönliche Risikoprofil auch erhöht ist, womit er auch riskantere und damit hochrentable Anlagen tätigen kann.

Liquidität

Die Liquidität beschreibt, wie schnell und einfach eine Geldanlage in Bargeld umgewandelt werden kann. Eine hohe Liquidität bedeutet, dass das Geld schnell verfügbar ist. Wie das Magische Dreieck der Geldanlage allerdings zeigt geht damit eine niedrigere Rentabilität oder Sicherheit einher. Weiter ist die Liquidität wichtig, um schnell auf veränderte Marktbedingungen, unerwartete Ereignisse oder persönliche finanzielle Bedürfnisse reagieren zu können. Liquidität bietet dem Anleger also Flexibilität. Damit ist die Liquidität ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Auswahl der Anlage. Für den besagten Rechtsanwalt ist die Liquidität der Geldanlage zumindest in absehbahrer Zukunft nicht das Wichtigste, womit er mit einer Liquiditätsprämie rechen kann.

Analyse der finanziellen Verhältnisse (Risikotragfähigkeit)

Verfügbarer Investitionsbetrag

Investitionsbetrag dieses Jahr 121.000€
Einkommenssituation und kurzfristig verfügbares Vermögen
Nettoeinkünfte p.a. 100.000€
Ausgaben p.a.   79.000€
Überschuss p.a.   21.000€
Kurzfristig verfügbarer Betrag 100.000€

Hinweis

Der Einkommens- und Vermögensnachweis gibt Auskunft über die Höhe des Vermögens und über die jährlichen Zuflüsse, sowie über deren Herkunft. Er ist essentiell um die finanzielle Risikotragfähigkeit (inkl. möglicher Sparquote) und das Gesamtvermögen (heute sowie im Rentenalter) berechnen zu können.

Vermögensbilanz

Summe Aktiva 100,00% 200.000€
Aktiva
Bargeld 60,50% 121.000€
Wertpapiere
Versicherungen 39,50% 79.000€
Beteiligungen
Immobilien
Summe Passiva 100,00% 200.000€
Passiva
Eigenkapital  100,00% 200.000€
Bankverbindlichkeiten
Sonst. Verbindlichkeiten

Hinweis

Die Private Vermögensbilanz weist neben der Vermögenshöhe zu einem bestimmten Stichtag auch die Vermögensherkunft und die Verwendung aus. In diesem speziellen Fall entspricht die Bilanzsumme dem Eigenkapital, da kein Fremdkapital für Kredite, wie beispielsweise einen Hauskredit bestehen. Darüber hinaus macht die private Vermögensbilanz auch die Verwendung des Vermögens deutlich die hier zum einen aus dem liquiden Vermögen besteht und zum anderen aus dem Versorgungswerk der Rechtsanwälte.

Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit, Risikoklasse

Risikoaffinität

Auf Grundlage der oben getätigten Angaben kann die Risikoaffinität bestimmt werden, diese ist hier Erhöht ausgeprägt, allerdings sind die Kenntnisse und Erfahrungen nicht ausreichend, um diesem Wunsch Rechnung zu tragen.

Risikotragfähigkeit

Aufgrund der Informationen zur Risikotragfähigkeit, welche die finanzielle Situation sowie die emotionale und psychische Einstellung gegenüber dem Risiko beinhalten, wird die Risikotragfähigkeit hier als Erhöht eingestuft.

Risikoklasse

Da der Rechtsanwalt zwar über Kenntnisse, jedoch noch nicht über ausreichende Erfahrungen im Umgang mit Wertpapieren verfügt, wird die Risikoklasse hier als Mittel eingestuft. Unter Berücksichtigung der spezifischen Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse wird nun eine passende Anlagestrategie für dieses Risikoprofil bestimmt.

Skizzierung der Lösung

Wir haben uns eingehend mit der persönlichen Situation des Anwalts befasst und anhand des Magischen Dreiecks der Vermögensanlage seine individuellen Anlageziele definiert. Daraufhin konnten wir die Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse festlegen und eine passende Anlagestrategie für sein persönliches Risikoprofil entwickeln. Durch die Umsetzung dieser Strategie können wir nun auch die jährlichen Renditen berechnen und seine finanzielle Situation im Rentenalter oder die zusätzlichen Vermögenswerte neben der gesetzlichen Rentenzahlung analysieren.

Berechnung

Annahmen:

  • Alter: 48 Jahre (22 Jahre bis Renteneintritt)
  • Anfangskapital: entspricht dem Investitionsbetrag dieses Jahr = 121.000 EUR
  • Jährlicher Anlagebetrag: 21.000 EUR

Parameter:

  • Risikoprofil C – Mittel
  • durchschnittlich zu erwartenden Rendite für eine Anlage über einen Zyklus (d.h. im Schnitt 7 Jahre) = 5,5%
  •  Es besteht die Bereitschaft größere Teile des Anlagekapitals risikoreicher zu investieren. Das durchschnittliche historische Verlustpotential betrug in einem 12-Monats-Zeitraum ca. 15% (rein indikativ).

Berechnung:

  • Anlagehorizont = 264 Monate (entspricht 22 Jahren)
  • Verzinsung = 0,4583 % pro Monat (entspricht 5,5% p.a. mit monatlichem Zinseszinseffekt)
  • Investition zum Start = 121.000 EUR
  • Sparrate = 1.750 EUR/Monat (= 21.000 EUR/Jahr)
  • Kapital bei Renteneintritt = 1.299.719,88 EUR

Dieses Berechnungen gelten nur als Beispiel, stellen keine Anlageempfehlung dar und sind frei gewählt, beruhen nicht auf tatsächlichen Kunden. Der Ratgeberbeitrag soll lediglich Orientierung bieten, um die eigene Situation besser einschätzen zu können.

Fazit

„Aufgrund des bestehenden Risikoprofils (C – Mittel) wäre eine ausgewogene Anlagestrategie mit 50% Aktien vertretbar, die bei einer möglichen Rendite von ca. 5,5% über den langfristigen Zeitraum von 22 Jahre zu einem Kapitalstock von ca. 1,3 Mio. EUR führen würde. In Kombination mit der Einzahlung in das Versorgungswerk der Rechtsanwälte, ist der Rechtsanwalt im Rentenalter solide abgesichert.“

Dr. Marc Breidenbach

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