Beschäftigen wir uns nun mit folgendem Fall. Ein Manager in der Automobilbranche, Anfang dreißig, hat zu Beginn des Jahres nach Steuern einen Betrag von 1.000.000€ erhalten, der aus dem Verkaufserlös von Anteilen seines Familienverbunds an einem ehemaligen Familienunternehmen seiner Familie stammen. An besagtem Familienunternehmen war er nie im Management oder an Kontrollgremien beteiligt, sondern gab sich mit der Rolle des Gesellschafters zufrieden, studierte Wirtschaftsingenieurwesen und entschied sich unabhängig vom Familienunternehmen, seinen eigenen Weg zu gehen. Durch sein Einkommen kann er seine laufenden Kosten decken, investiert bereits seit längerem Teile seines Gehalts am Kapitalmarkt und informiert sich nebenbei täglich in einschlägiger Fachliteratur über die aktuelle Kapitalmarktsituation. Darüber hinaus besitzt er durch frühere Schenkungen bereits eine Immobilie, in der er selbst lebt. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung und seines unternehmerischen Hintergrunds möchte er eine möglichst hohe Rendite erzielen und ist zusätzlich mit dem Konzept des Value Investing gut vertraut.
Das Magische Dreieck der Geldanlage mit beispielhaft eingezeichneten Anlageklassen. Dieses Schaubild macht visuell deutlich, dass nicht alle Anlageziele hinreichend erfüllt werden können.
Um eine passende Anlagestrategie entwickeln zu können, muss man zunächst die Anlageparameter abstecken. Hierbei orientiert man sich an den drei Hauptziele: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität der Anlage. Diese können mithilfe folgender Angaben ermittelt werden.
Ermittlung der persönlichen Anlageziele mithilfe folgender Angaben:
Oberstes persönliches Anlageziel des Managers ist maximale Rentabilität bei einer langen Laufzeit, auch wenn deshalb andere Anlageziele vernachlässigt werden. Die finanzielle und emotionale Risikotragfähigkeit des Investors ist hoch – eine hohe Volatilität ist aushaltbar und damit das Risiko-Rendite-Profil vertretbar. Da er das Vermögen nicht benötigt, kann nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Liquidität vernachlässigt werden. Dies sind gute Voraussetzungen, um langfristig eine sehr hohe Rendite zu erwirtschaften, wie auch das Magische Dreieck der Vermögensanlage gut zeigt. Graphisch gesehen befindet sich der Investor nun in der Spitze Rentabilität und räumlich sowie real gesehen weit weg von Sicherheit und Liquidität. Für besagten Anleger kann somit ein reines Aktienportfolio infrage kommen, da er bereits durch die Immobilie über eine weitere Anlageklasse diversifiziert ist. Zusätzlich könnte der Manager sich sogar mit Beteiligungskapital beschäftigen also der Assetklasse Private Equity, durch die aufgrund von Informationsvorteile noch höhere Renditen als am Kapitalmarkt erwirtschaftet werden können.
Die Sicherheit der Anlage stellt in diesem Fall kein besonders wichtiges Anlageziel dar. Der Investor müsste selbst bei einem Totalausfall der Anlage seine Lebensqualität nicht einschränken und könnte weiterhin seinen monatlichen Verpflichtungen nachkommen und darüber hinaus, wie bereits im Einleitungstext erläutert, noch sparen. Nun kommt es auf die persönliche Risikoaffinität an, also möchte der Anleger, obwohl er es natürlich kann, überhaupt ein so hohes Risiko eingehen. Dies ist in diesem Fall zu bejahen, da der Investor angibt, die Rentabilität über die Sicherheit stellen zu wollen. Das Risiko ist für ihn folglich zu vernachlässigen und die Sicherheit stellt kein besonderes persönliches Anlageziel dar, weil für ihn persönlich die Rentabilität das wichtigste persönliche Anlageziel ist.
Das Anlageziel der Liquidität kann auch vernachlässigt werden, da der Investor den anzulegenden Betrag über die komplette Dauer der Anlage nicht benötigt. Das Vermögen muss demnach zu keinem Zeitpunkt des Anlagehorizonts verfügbar sein. Seine hohe Risikoaffinität und die nicht nötige Liquidität ermöglicht dem Investor sogar Beträge in geschlossene Private-Equity-Fonds, die aufgrund von Informationsvorteilen die durchschnittliche Rendite des rationalen Kapitalmarktes schlagen, zu investieren. Allerdings sollte man selbst in diesem speziellen Fall die Liquidität im Auge behalten, da unvorhergesehene Ereignisse auch in diesem Fall einen Liquiditätsbedarf erzeugen könnten. Unter diesen Gesichtspunkten wäre ein Investment am Kapitalmarkt sinnvoller, da hier wie das Magische Dreieck der Vermögensverwaltung zeigt die Liquidität vorhanden ist.
Investitionsbetrag dieses Jahr | 1.030.000€ |
Einkommenssituation und kurzfristig verfügbares Vermögen | |
Netto-Einkünfte p.a. | 150.000€ |
Ausgaben p.a. | 120.00€ |
Überschuss p.a. | 30.000€ |
Kurzfristig verfügbares Vermögen | 1.000.000€ |
Der Einkommens- und Vermögensnachweis gibt Auskunft über die Höhe des Vermögens und über die jährlichen Zuflüsse, sowie über deren Herkunft. Er ist essentiell um die finanzielle Risikotragfähigkeit (inkl. möglicher Sparquote) und das Gesamtvermögen (heute sowie im Rentenalter) berechnen zu können.
Summe Aktiva | 100,00% | 1.912.000€ |
Aktiva | ||
Bargeld | 0,63% | 12.000€ |
Wertpapiere | 7,85% | 150.000€ |
Versicherungen | 5,23% | 100.000€ |
Beteiligungen | 52,30% | 1.000.000€ |
Immobilien | 34,00% | 650.000€ |
Summe Passiva | 100,00% | 1.912.000€ |
Passiva | ||
Eigenkapital | 86,92% | 1.662.000€ |
Bankverbindlichkeiten | 13,08% | 250.000€ |
Sonst. Verbindlichkeiten | – | – |
Die persönliche Einkommenssituation sowie die Private Vermögensbilanz weisen neben der Höhe der Netto-Einkünfte p.a. bzw. der Vermögenshöhe zu einem bestimmten Stichtag, auch die Herkunft des Einkommens bzw. des Vermögens aus. In diesem speziellen Fall entspricht die Bilanzsumme nicht dem Eigenkapital, da Fremdkapital für den Immobilienkredit besteht. Darüber hinaus macht die private Vermögensbilanz auch die Verwendung des Vermögens deutlich die hier zum einen aus dem liquiden Vermögen besteht, der Immobilie und zum anderen aus einer privaten Lebens- und Rentenversicherung.
Auf Grundlage der oben getätigten Angaben kann die Risikoaffinität bestimmt werden, diese ist hier Hoch ausgeprägt, dies wiederum beeinflusst die Risikotragfähigkeit.
Aufgrund der Angaben zur Risikoaffinität, die die finanzielle Situation sowie die emotionale und psychische Einstellung gegenüber dem Risiko umfassen, wird die Risikotragfähigkeit hier als Hoch eingestuft.
Die Kenntnisse und Erfahrungen des Managers im Umgang mit Wertpapieren ermöglichen die Festsetzung der Risikoklasse auf Hoch. Eine passende Anlagestrategie wird nun unter Berücksichtigung der spezifischen Risikoaffinität und Risikotragfähigkeit für dieses Risikoprofil bestimmt.
Nachdem wir uns mit der persönlichen Situation des Investors vertraut gemacht und diese anhand des Magischen Dreiecks der Vermögensanlage skizziert haben, sind nun die persönlichen Anlageziele, die Kenntnisse und Erfahrungen sowie die Finanzielle Verhältnisse bekannt. Daraus ergaben sich die Bestimmung der Risikoaffinität, Risikotragfähigkeit und Risikoklasse. Somit kann eine passende Anlagestrategie für dieses Risikoprofil ermittelt werden. Basierend auf der Anlagestrategie können die jährlichen Renditen berechnet werden. Dadurch lässt sich schließlich auch die finanzielle Situation im Rentenalter oder die zusätzlichen Vermögenswerte neben der gesetzlichen Rentenzahlung ermitteln.
Annahmen:
Parameter:
Berechnung:
Dieses Berechnungen gelten nur als Beispiel, stellen keine Anlageempfehlung dar und sind frei gewählt, beruhen nicht auf tatsächlichen Kunden. Der Ratgeberbeitrag soll lediglich Orientierung bieten, um die eigene Situation besser einschätzen zu können.
„Aufgrund des bestehenden Risikoprofils (E – Hoch) wäre eine risikoreiche Anlagestrategie mit 85-100% Aktien vertretbar, die bei einer möglichen Rendite von ca. 9% über den sehr langfristigen Zeitraum von 38 Jahre zu einem Kapitalstock von ca. 31 Mio. EUR führen würde. Hieran erkennt man den Zinses-Zins Effekt (nach Albert Einstein das 8. Weltwunder).“
Dr. Marc Breidenbach
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