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Märkte im November ’17

(Markttabelle kann angefordert werden)

  • Aktien in USA, Asien sowie EURO steigen
  • Aktien in Europa sowie Anleihekurse fallen.

Interessant dabei ist, dass sich Investoren weltweit einig sind, dass Aktien in den USA teuer und Aktien in Europa preiswert sind. Dennoch hat der Markt die alten Favoriten weiter steigen lassen und die neuen Favoriten fallen lassen. Das ist wohl das Resultat von Investments in ETFs und quantitativ getriebenen Trendfolge- und VAR Modellen.

Ein weiterer Gewinner war der Volatilitätsindex für den DAX, während die Put/Call Ratio gefallen ist. Das Niveau der Absicherung bleibt niedrig.

Die gute Nachricht ist, dass sich die potentielle Überhitzung der Märkte zumindest teilweise entspannt hat. So fiel der BofA Merrill Lynch Bull & Bear Indikator von 7,6 Ende Oktober auf 6,7 Ende November. Bei einem Stand von 8,0 hätte es ein Verkaufssignal gegeben. Davon sind wir erstmal wieder entfernt, was ein Investment in Aktien aktuell wieder sicherer macht. Nach einem Performance-Unterschied im November von 5% zwischen US Aktien und Aktien in Europa spricht viel für Europa.

Verwunderlich ist die Schwäche des USD sowie die Stärke des EURO. Die politische Hängepartie in Deutschland beunruhigt im Ausland niemanden. Bei Rückfragen erhalten wir die Antwort, dass Deutschland stabil sei und Deutschland das schon schaffen werde. Da 80% deutscher Aktien in den Händen ausländischer Investoren liegen, kommen von der Seite keine Sorgen auf. Wir haben daran unsere Zweifel.

Am 3. Juni 1999 schrieb der Economist:
„The sick man of the euro – The biggest economy in the euro area, Germany’s, is in a bad way. And its ills are a main cause of the euro’s own weakness“. Der Tiefststand des € wurde Ende 2000 erreicht.

Was seitdem passiert ist, wissen wir alle. Die Agenda 2010 und die Hartz IV Gesetze haben Deutschland wettbewerbsfähig und stark gemacht. Heute ist Deutschland die Wachstumsmaschine in Europa und der Garant für Stabilität. Die letzten Regierungen haben im Inland erfolgreich verwaltet und im Ausland stabilisiert. Das ist der große Erfolg, der weltweit anerkannt wird. Da Deutschland heute zudem die Wachstumsmaschine und Lokomotive in Europa ist, scheint das der Grund (zusammen mit den Reformplänen in Frankreich) für die jüngste Erholung des € zu sein. Ob Deutschland eine Wachstumsmaschine bleiben kann, wenn alte sozialdemokratische Forderungen wiederbelebt und eventuell sogar implementiert werden, wird sich zeigen müssen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Deutschland nicht die instabilste Regierung der letzten Jahrzehnte erhält, haben aber unsere Sorgen.

Der kranke Mann Europas ist seit einigen Jahren Frankreich, welches sich zu einer großen Reform auf den Weg macht. Holger Schmieding von Berenberg schrieb jüngst, dass Frankreich eventuell vor einem goldenen Jahrzehnt liegt. Das kann sehr gut sein.

Bis globale Investoren den Erfolgen der Reformen in Deutschland geglaubt haben, hat es einige Jahre gedauert. Im Jahr 2007 konnte man lesen, dass Deutschland nicht mehr der kranke Mann Europas sei. Implementiert wurde die Agenda 2010 zwischen den Jahren 2003 und 2005.

Während globale Investoren gegenüber der Reformfähigkeit Deutschlands ihre Zweifel hatten und darin der Grund für die späte Diskontierung an den Kapitalmärkten liegt, gibt es gegenüber der Reformfähigkeit Frankreichs scheinbar keine Zweifel. Man will offensichtlich aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht wieder zu spät kommen. Wir denken, dass der Markt die Erfolge Deutschlands zu spät und die zukünftigen Erfolge Frankreichs zu früh bewertet(hat). Damit sollte die Wahrscheinlichkeit einer Interimschwäche des € hoch sein.

Arbeitskräfte sind allerdings zunehmend knapp geworden und werden teurer. Dieses gilt insbesondere, wenn man sich gegenüber ausländischen Arbeitskräften verschließt. Gleichzeitig schwächt der starke € die Exportmaschine Deutschlands. Dieses sind beides Effekte, die irgendwann auch in den IFO Geschäftsklima Indexzahlen zu sehen sein werden müssen.

Joachim Fels von PIMCO hat im September einen Bericht mit der Überschrift „Besser geht es nicht“ geschrieben. Seitdem ging es doch noch besser. Dennoch teilen wir die Meinung, dass es besser kaum noch geht. Wenn es besser nicht geht, kann es schlechter werden. Das heißt nicht, dass es furchtbar wird, nur dass die Erwartungen sich etwas abkühlen müssen, was bei hohen Erwartungen in der Regel zu einer Korrektur am Markt führen wird.

Laut dem englischen Vermögensverwalter M&G sind einige der FANG Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google)sowie der BAT Aktien (Baidu, Alibaba, Tencent) heute so hoch bewertet, dass sie die kommenden 10 Jahre im Schnitt um 25% wachsen müssen, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Man kann sich ja mal ausrechnen, wie hoch der Umsatz bzw. Gewinn mancher dieser Unternehmen sein würde, wenn sie 10 Jahre im Schnitt um 25% wachsen und ob das plausibel ist. (etwas, dass 10 Jahre lang jedes Jahr um 25% wächst, hätte sich nach 10 Jahren verneunfacht…). Ob diese hohen Bewertungen der Auslöser für eine Korrektur sind, wissen wir nicht. Die Überschrift über einer Korrektur wird wahrscheinlich „Wachstumssorgen“ sein. Das wird aber wahrscheinlich auch nicht mehr als eine Korrektur. Allerdings, um so stärker die Kurse weiter steigen, um zu stärker muss die Korrektur ausfallen. Der ML Bull Bear Indikator deutet NICHT auf eine baldige Korrektur hin.

Wir teilen die Meinung, dass Aktien in Europa preiswert sind. Wir erinnern daran, dass Europäische Aktien den letzten Höchststand vom April 2015 bis heute nicht wieder erreicht haben, während Gewinne gestiegen sind. Wir teilen die Meinung, dass Europa große Chancen hat in den kommenden Jahren solide zu wachsen, was der Erfolg der erfolgreichen Reformpolitik von Ländern wie Spanien und Portugal ist. Dennoch sind die Menschen (Wähler) unzufrieden und führen Staaten in eine Position der Verwaltung und nicht der Regierung. Deutschland ist leider auf dem besten Weg dorthin. Wachstum und Wachstum für alle benötigt aber ein Management und keine Verwaltung. Das gilt für Unternehmen wie für Staaten. Ob wir in Deutschland eine Regierung bekommen, die Akzente setzt bevor wir in Italien Wahlen haben, wird sich zeigen. Ob die Investoren in der Welt irgendwann erkennen, dass in Deutschland nur noch verwaltet und nicht regiert wird, ist nur eine Frage der Zeit. Was das für den € bedeutet, wird sich dann zeigen. Fällt der €, wird das aber eher positiv für Aktien in Europa sein (zumindest relativ).

Was Aktienmärkte angeht, bleiben wir zunächst konstruktiv, kaufen aber nur in Schwächephasen. Die jüngste Underperformance Europäischer Aktien vs. USA/Asien Aktien ist ein Anlass den Anteil in Europa zu erhöhen. Grundsätzlich sind wir aber sehr wachsam. Wir dürfen nicht vergessen, dass fast 40% des globalen Konsums 2 Ländern entstammt (USA und CHINA). Kommt es in diesen Ländern zu einer gewissen Abschwächung des Wachstums, werden die hohen Bewertungen korrigiert werden müssen. Es wäre das erste Mal, wenn das spurlos an Europa vorbei gehen würde. Besonders Deutschland würde wegen des hohen Exportanteils in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine solche Korrektur sind aber auch Kaufkurse für Europäische Aktien.

Wir wünschen einen schönen Dezember und eine schöne Weihnachtszeit.
Am Ende des Monats werden wir gesehen haben, ob es eine Jahresendrallye gab oder nicht.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Herzlichst,

Ihr Team von Breidenbach von Schlieffen & Co.



HINWEIS:
Dieser Blogbeitrag und dessen Inhalt stellt keinerlei Handlungsempfehlung dar, sondern dient lediglich der Information.


Über den Autor

Magnus v. Schlieffen hat mehr als 30 Jahre Erfahrung im Kapitalmarkt. Er war für verschiedene internationale Banken in leitenden Positionen in München, New York und Frankfurt tätig. Als ausgebildeter Volkswirt sind seine Schwerpunkte die Analyse von Kapitalmärkten und deren Anlageklassen, Regulierung, Nachhaltigkeit und die Analyse von Vermögensverwaltern, Fonds- und Investmentmanager. Er ist der Chief-Investment-Officer (CIO) von Breidenbach von Schlieffen & Co. und prägt so die Meinung des Hauses.

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