Was ist eigentlich ein WpHG-Bogen?

Jeder der bereits einen Finanzdienstleister mit der Verwaltung seines Vermögens betraut hat, ist diesem Dokument bereits begegnet – nämlich dem WpHG-Bogen. Deshalb wollen wir in diesem Ratgeberbeitrag Klarheit schaffen und erklären, was der WpHG-Bogen ist und weshalb dieser, sowohl für Anleger, als auch Wertpapierdienstleistungsunternehmen von zentraler Bedeutung ist. Der WpHG-Bogen gehört somit zur Grundlage der Vermögensverwaltung und stellt ein wichtiges regulatorisches Dokument dar, welches vor allem den Anleger vor Falschberatung schützen soll. Demnach beginnen wir diesen Ratgeberbeitrag mit den gesetzlichen Grundlagen, klären im Weiteren über das Zusammenspiel von Risiko, Rendite und anderen Faktoren auf, da dieses Verhältnis die Grundlage zum Verständnis des Bogens bildet und erläutern schließlich die einzelnen Abschnitte und damit den genauen Inhalt des Fragebogens.

Gesetzliche Grundlagen: Das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG)

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Nach § 64 Abs. 3 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) muss ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das Anlageberatung oder Finanzportfolioverwaltung erbringt, von den Kunden alle Informationen einholen über Kenntnisse und Erfahrungen der Kunden in Bezug auf Geschäfte mit bestimmten Arten von Finanzinstrumenten oder Wertpapierdienstleistungen, über die Anlageziele der Kunden und über ihre finanziellen Verhältnisse, die erforderlich sind, um den Kunden ein für sie geeignetes Finanzinstrument oder eine für sie geeignete Wertpapierdienstleistung empfehlen zu können. Die Geeignetheit beurteilt sich danach, ob das konkrete Geschäft, das dem Kunden empfohlen wird, oder die konkrete Wertpapierdienstleistung im Rahmen der Finanzportfolioverwaltung den Anlagezielen des betreffenden Kunden entspricht, die hieraus erwachsenden Anlagerisiken für den Kunden seinen Anlagezielen entsprechend finanziell tragbar sind und der Kunde mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen die hieraus erwachsenden Anlagerisiken verstehen kann. Erlangt das Wertpapierdienstleistungsunternehmen die erforderlichen Informationen nicht, darf es im Zusammenhang mit einer Anlageberatung kein Finanzinstrument empfehlen oder im Zusammenhang mit einer Finanzportfolioverwaltung keine Empfehlung abgeben.

Zum Verhältnis zwischen Rendite, Risiko & Liquidität

Wichtig zum Verständnis der Anlagemöglichkeiten ist das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko. Das sog. magische Dreieck der Vermögensanlage bezeichnet die untereinander konkurrierenden Ziele zwischen Renditemaximierung, Sicherheit und Liquidität.

Rendite und Risiko bei Anlagen stehen in einem engen Verhältnis zueinander. In der Regel kann bei Wertpapieren eine höhere Rendite nur unter Inkaufnahme eines erhöhten Risikos erzielt werden.  Renditestarke Anlagen sind in der Regel mit einem höheren Risiko verbunden. Ein weiterer Zielkonflikt ergibt sich zwischen Rendite und Liquidität. Eine maximale Liquidität ist in der Regel nur zu Lasten der Rendite möglich. Schließlich spielt auch der Zeithorizont eine bedeutende Rolle. Die einer Wertpapieranlage zugrundeliegenden Anlageziele können in der Regel nur unter Berücksichtigung einer bestimmten Anlagedauer erreicht werden.  Des Weiteren sind die anfallenden Kosten für die erforderlichen Wertpapierdienstleistungen und Wertpapiernebendienstleistungen (z.B. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Depotführung, Orderausführung) zu berücksichtigen.

Struktur des WpHG-Bogen: Risikotoleranz, Risikokompetenz & Risikotragfähigkeit

Demnach ist der WpHG-Bogen in fünf Abschnitte gegliedert. In Abschnitt A werden die persönlichen Daten des Anlegers abgefragt, wie vollständiger Name, Adresse und Kontaktdaten. In Abschnitt B die Anlageziele folglich die Risikotoleranz, in C die Erfahrungen und Kenntnisse, also die Risikokompetenz und in Abschnitt D die finanzielle Situation des Anlegers, was der Risikotragfähigkeit entspricht. Die drei Kernaspekte Risikotoleranz, Risikokompetenz & Risikotragfähigkeit ergeben im letzten Abschnitt E die Risikoklasse, in die der Anleger eingeordnet wird und auf Grundlage, dieser die Anlageentscheidung getroffen wird.

B) Anlageziele (Risikotoleranz)

Unter dem Stichpunkt Anlagehorizont wird abgefragt, für welchen Zeitraum der Anleger das Vermögen investieren möchte. Hier stehen drei Kategorien zur Auswahl. Anleger können zwischen einem kurzfristig (weniger als 3 Jahre), mittelfristigen (3 bis 5 Jahre) und langfristigem (mehr als 5 Jahre) Anlagehorizont wählen. Der persönliche Anlagehorizont des Kunden schlägt sich, wie auch das Dreieck der Vermögensanlage visuell veranschaulicht in der Risikoaffinität wieder. So ist bei einem kurzen Anlagehorizont maximal eine mittlere Risikoaffinität möglich.

Anleger investieren aus unterschiedlichen Gründen. Um die Risikoklasse bestimmen zu können, muss dieser auch im WpHG-Bogen angegeben werden. Es kann zwischen den folgenden Zwecken gewählt werden: Werterhalt & Inflationsschutz; Erzielung regelmäßiger Einkünfte; Vermögensaufbau zwecks Altersvorsorge; Vermögensaufbau mit spezifischer Verwendung (Familienabsicherung, Immobilienerwerb, etc.); Vermögensaufbau ohne spezifische Verwendung

Weiter muss der Finanzdienstleister darüber aufgeklärt werden, ob Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden sollen, da dies die investierbaren Strategien einschränken kann. Falls Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden sollen, müssen deshalb auch weitere Angaben im Erhebungsbogen „Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen“ gemacht werden, welcher damit Bestandteil des Erhebungsbogens „Kundenangaben“ wird. Der Finanzdienstleister muss nämlich möglichst Präzise wissen, welche Produkte geignet sind und welche nicht, da Nachhaltigkeit zunächst einmal ein großer begriff ist. Es sollte folglich genau definiert werden, was darunter fällt und was nicht.

Weiter wird der Anleger nach seiner persönlichen Renditeerwartung gefragt, welche wiederum von der Risikoaffinität beeinflusst wird. Der Anleger kann zwischen den folgenden Renditeerwartungen wählen: Niedrig (Renditeerwartung von weniger als 3%) angestrebt werden hier relativ sichere Anlageergebnisse und nur geringe, kurzfristige und vorübergehende Kursschwankungen werden in Kauf genommen; Moderat (Renditeerwartung 3% bis 5%) angestrebt werden angemessene, dafür relativ nachhaltige Anlageergebnisse und geringe Kursschwankungen werden akzeptiert, es besteht damit die Bereitschaft einen kleinen Teil des Anlagekapitals risikoreicher zu investieren; Mittel (Renditeerwartung 5% bis 7%) angestrebt werden hohe Ertragschancen, denen hohe Risiken gegenüberstehen, womit kräftige Kursrückgänge möglich sind, die in Kauf genommen werden, womit die Risikobereitschaft bersteht, große Teile des Anlagekapitals risikoreicher zu investieren; Erhöht (Renditeerwartung 7% bis 9%) angestrebt werden hohe Ertragschancen, denen hohe Risiken gegenüberstehen, womit kräftige Kursrückgänge möglich sind, die in Kauf genommen werden, folglich es besteht die Risikobereitschaft, große Teile des Anlagekapitals risikoreicher zu investieren; Hoch (Renditeerwartung von mehr als 9%) angestrebt werden sehr hohe Ertragschancen, denen sehr hohe Risiken gegenüberstehen, damit sind kräftige Kursausschläge möglich und es besteht die Bereitschaft das Anlagekapital vollständig zu riskieren.

C) Kenntnisse & Erfahrungen (Risikokompetenz)

Der Anleger wird im Abschnitt Kenntnisse und Erfahrungen zunächst gefragt, ob er überhaupt Kenntnisse hat oder mehr als ein Jahr Anlegeerfahrung hat. Wird dies bejaht, so muss die abgebildete Tabelle ausgefüllt werden, die dann Auskunft über die genaue Erfahrung mit Unterschiedlichen Finanzprodukten bzw. Assetklassen gibt. Im Anschluss zu dieser Tabellen, werden weitere persönliche Informationen über die individuelle Anlegeerfahrung des Anlegers gesammelt, wie die Länge der Anlageerfahrung, mit welchen Beratungsdienstleistungen (Anlageberatung, Vermögensverwaltung oder Onlinebroker) der Anleger bereits vertraut ist sowie ob und wie sich der Anleger über Geschehnisse am Kapitalmarkt informiert (Zeitung, Websites, Publikationen, etc.).

Auskunft über Kenntnisse und Erfahrungen des Anlegers zu erhalten, ist insbesondere für einen Finanzdienstleister und letztlich auch für den Anleger wichtig, da diesem dementsprechend nur Produkte von einem Finanzdienstleistungsunternehmen angeboten werden dürfen, welche dieser auch zu einem gewissen Grad verstehen kann.

D) Finanzielle Verhältnisse (Risikotragfähigkeit)

Im Abschnitt „finanzielle Verhältnisse“ wird die Risikotragfähigkeit des Anlegers abgefragt, indem dieser zu seiner persönlichen Einkommenssituation, verfügbaren Vermögens, Liquiditätsbedürfnisse und Gesamtvermögen befragt wird. Hierbei beschreibt die persönliche Einkommenssituation alle Einkommen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit sowie Kapitalerträge. Diesen unterschiedlichen Einkommensquellen werden dann die Ausgaben gegenübergestellt, was die Netto-Einkünfte ergibt. Hierzu kommen nun auch das verfügbare Vermögen, welches sich zum einen aus dem Einkommen, aber auch aus Ebrschaft und Schenkungen zusammensetzt. Weiter wird gefragt, ob in Zukunft schon gewisse ausgaben geplant sind, was dann den Anlegehorizont, zumindest für ein Teil des Vermögen limitiert. Zum Schluss kann eine Übersicht über das Gesamtvermögen helfen, Klumpenrisiken in der Assetallokation zu vermeiden.

Die Auskunft über die finanzielle Situation ist der ausschlaggebende Aspekt, um die Risikotragfähigkeit feststellen zu können, da zum einen klar sein muss, was überhaupt investiert werden kann, inwiefern der Anleger vom Kapitalertrag der Anlage zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes abhängig ist und ob in Zukunft bereits Liquiditätsbeschränkende Maßnahmen geplant sind.

Zwischenfazit

„Nachdem der Anleger Angaben zu seiner persönlichen und individuellen Risikotoleranz, Risikokompetenz sowie Risikotragfähigkeit getätigt hat, kann nun auch die Risikoklasse und damit die geeignete Anlagestrategie bestimmt werden.“

Dr. Marc Breidenbach

E) Resultierende Risikoklasse

Resultierend aus Risikotoleranz, Risikokompetenz und Risikotragfähigkeit folgt die individuelle Risikoklasse, in die ein Anleger eingeordnet wird und die dann schließlich Grundlage für die Anlagestrategie ist. Letztlich ergibt sich also aus dem gewünschten Risiko, welches sich aus der Risikotoleranz, damit aus den Anlagezielen ergibt und dem erlaubtem Risiko, zum einen auf der finanziellen Situation des Anlegers beruht und zum anderen sich nach den Erfahrungen und Kenntnissen des Anlegers richtet, die Risikoklasse. Demnach unterscheiden wir auch in 5 Risikoklassen, Niedrig, Moderat, Mittel, Erhöht und Hoch. Aufgrund dieser Einordnung kann dann die Anlagestrategie gewählt werden. Breidenbach von Schlieffen & Co. bietet folgende Strategienl, die jeweils ein unterschiedliches Rendite- und Risikoprofil aufweisen: Defensiv (33% Aktien), Ausgewogen (50% Aktien), Dividende & Zins (70% Aktien) und Risiko (85% Aktien).

„You have to say to yourself, ‘If I’m right, how much am I going to make? If I’m wrong, how much am I going to lose?’ That’s the risk/reward ratio.“

Peter Lynch

Wie gehen wir vor?

Wenn Sie sich zu Beginn des Beitrags fragten, wie wohl Breidenabch von Schlieffen & Co. bei der Geeignetheitsprüfung seiner Kunden hinsichtlich Kapitalanlage vorgeht, haben wir versucht dies mit diesem Ratgeberbeitrag zu beantworten und zu veranschaulichen. Der WpHG-Bogen ist zum einen ein regulatorisches Instrument, welches zunächst den Anleger schützt, aber auch dem Vermögensverwalter dabei hilft, zufriedne Kunden zu haben. Denn eine Vermögensverwaltung ohne die Bedürfnisse und Ziele des Anlegers zu kenne ist ineffektiv und fahrlässig.

  • Risikotoleranz: Was ist mein persönliches Anlageziel?
  • Risikokompetnez: Welche Erfahrungen und Kenntnisse bringe ich als Anleger mit?
  • Risikotragfähigkeit: Inwiefern bin ich auf die Kapitalerträge des investierten Kapitals zur Bestreitung meines Lebensunterhalts in der Gegenwart und Zukunft angewiesen?

Breidenbach von Schlieffen & Co stellt hier den Hauseigenen aktuellen WpHG-Bogen nach § 64 Abs. 3 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) zum Download zur Verfügung.

Fazit

„Das Zusammenspiel zwischen Rendite, Risiko und Liquidität zu verstehen ist unabdingbar, um die die eigene Risikotoleranz zu definieren und die eigene Risikokompetenz sowie Risikotragfähigkeit zu verstehen. Diese Aspekte werden im WpHG-Bogen eruiert und münden dann in einer für jeden Aleger individuellem Risikoprofil, das Grundlage für die zu wählende Anlagestrategie ist.“

Dr. Marc Breidenbach

Über den Autor

Dr. Marc Breidenbach hat über 20 Jahre Erfahrung in der Beratung von Unternehmerfamilien und Familienvermögen. Er war Dozent für Betriebswirtschaft an der Universität, verfügt über eine umfassende Ausbildung im Bankgeschäft und war in London, Frankfurt und Hamburg für Universal- und Investmentbanken tätig. Seine Schwerpunkte sind Themen wie Grundlagen der Geldanlage, Family Office, Vermögensverwaltung, Strategische und Taktische Allokation, Unternehmensbeteiligungen, Unternehmensnachfolge, Steuern und Immobilien.

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