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Robo Advisor: Alter Wein in neuen Schläuchen

Mit dem Einzug der digitalen Welt in die Vermögensverwaltung für Sparer aller Art und Größe hat sich der Begriff Robo Advisor schnell etabliert. Ein Robo Advisor verwaltet entweder das Vermögen einzelner Sparer oder berät diese Sparer. Investiert wird in der Regel in den Markt abbildende passive Investmentvehikel, wie z.B. ETFs.

Einige dieser Robo Advisor suggerieren, dass sie in Bezug auf Investment den Stein des Weisen gefunden hätten und etwas vollständig Neuartiges geschaffen haben, das nicht versagen kann. Nicht der Mensch, der ja laufend Fehler macht, sondern ein fehlerfreier Computer trifft die Investmententscheidungen. So schön der Investmentprozess von einigen der kürzlich gestarteten Robo Advisor dargestellt wird, ist der Prozess allerdings alles andere als neu. Regelgebundenes oder auch quantitatives Investieren gibt es seit Jahrzehnten. Die am Markt befindlichen Robo Advisor kombinieren lediglich einen Computergesteuerten Investmentprozess mit einem Computergesteuerten Handel (Portfoliotrading). Das ist smart, bedeutet aber mitnichten ein fehlerfreies Investieren.

Die Industrie des regelgebundenen Investierens ist im Vergleich zum gesamten Investitionsvolumen nicht sehr groß. Der Grund dafür liegt schlicht darin, dass diese Investmentprozesse nicht sonderlich erfolgreich sind. Warren Buffet hat bislang keine Investmententscheidung auf der Basis einer vom Computer vorgegebenen Entscheidung getroffen und damit sich und seinen Investoren großen Wohlstand beschieden.

Der größte quantitativ agierende Vermögensverwalter ist die 1975 in den USA gegründete Vanguard Group. Diese hat nicht auf ein paar Start Up Leute gewartet, die einen Robo Advisor gründen, sondern den eigenen Robo Advisor gegründet. Einen Investmentprozess hatte Vanguard bereits und als Vermögensverwalter auch jahrelange Erfahrung im Portfoliotrading. Entsprechend war es für Vanguard einfach, einen Robo Advisor zu installieren. Einer der ältesten und größten regelgebunden Investoren in Deutschland ist die zur Union Investment (DZ Bank Gruppe) gehörende Quoniam, wobei letztere das Robo Advisor Konzept bislang nicht anbietet.

Natürlich hören sich Regeln immer gut an und sie sind auch besser als der Prozess vieler Fondsmanager, die irgendwie investieren und wegen ihrer hohen Kosten regelmäßig enttäuschen. Wir verwenden lieber den Begriff Disziplin und setzen bei der Wahl der Vermögensverwalter auf aktive, disziplinierte, robuste und nachvollziehbare Prozesse. Es gibt zwar nur wenige wirklich gute und zu jedem Zeitpunkt disziplinierte Fondsmanager, aber es gibt genug und gelegentlich kommen neue Talente dazu.

Für den Sparer liegt der Nachteil der Robo Advisor, die nicht auf einen langjährigen Investmentprozess zurückgreifen können, auf der Hand. Offensichtlich gibt es ja nicht den einen Computer (Software), der alles kann und den alle nutzen. Alle regelgebundenen Investmentstrategien verfügen über ihre eigene Software und Algorithmus. Dass diese Software vom Menschen programmiert wurde, wird in der Argumentation der Anbieter regelmäßig unterschlagen. Die Verfechter des computergesteuerten Investierens werden diesem Argument mit der Nutzung der künstlichen Intelligenz entgegentreten. Der Computer lernt schnell und trifft ohne den Menschen seine (dann wirklich fehlerfreien Entscheidungen). Dass der Algorithmus, der hinter dem Investmentprozess steht, vom Menschen programmiert wurde und jederzeit vom Menschen beeinflusst werden kann (und auch wird), wird dabei nicht erwähnt. Wie ein Investment- Prozess basierend auf einer rein künstlichen Intelligenz ausgehen kann, beschreibt übrigens sehr unterhaltsam der Roman „Angst“ von Robert Harris.

Wir bei BvS & Co. sind keine Freunde des regelgebundenen Computergesteuerten Investierens. Für uns ist ein Computer auch nur ein weiterer Fondsmanager. Unserer Meinung nach muss das Managerrisiko reduziert werden, was man mit der Wahl nur eines Fondsmanagers per Definition nicht macht. Wenn man sich als Sparer dennoch für einen Robo Advisor begeistern kann und möchte, sollte man sein Geld besser denjenigen anvertrauen, die in dem Bereich computergesteuertes regelbasiertes Investieren jahrelange Erfahrung haben und deren tatsächlich erbrachten (nicht rückgerechneten) Erfolg messen kann. Den meisten der in Deutschland ansässigen Robo Advisor fehlt diese Erfahrung und wie bereits erwähnt, den einen Algorithmus, dem alle vertrauen (können) gibt es nicht.

Manche Robo Advisor rühmen sich damit in Ihrem Beirat oder für den Investmentprozess Nobelpreisträger zu nutzen. Da die Realität regelmäßig anders als die Theorie ist, können wir uns für Wissenschaftler als Portfoliomanager nicht erwärmen. Mit der Pleite und dem Scheitern von Long Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998 haben zwei Professoren, die im Jahr 1997 einen Nobelpreis erhalten haben und Direktoren von LTCM waren, den Beweis für unsere Skepsis geliefert.

Das digitale Family Office von Breidenbach von Schlieffen &b Co. ist kein Robo Advisor. Als Family Office wählen wir für unsere Kunden die besten Vermögensverwalter aus, vereinbaren mit diesen für unsere Kunden sehr gute Konditionen, überwachen die Leistung der Vermögensverwalter laufend und reduzieren damit das Verwalterrisiko deutlich.

Auf eine Beschreibung mancher Fachbegriffe haben wir verzichtet, da man diese googlen oder bei Wikipedia nachlesen kann.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Herzlichst,

Ihr Team von Breidenbach von Schlieffen & Co.



HINWEIS:
Dieser Blogbeitrag und dessen Inhalt stellt keinerlei Handlungsempfehlung dar, sondern dient lediglich der Information.

Teaser Image by Shahadat Rahman on Unsplash


Über den Autor

Dr. Marc Breidenbach hat über 16 Jahre Erfahrung in der Beratung von Unternehmerfamilien und Familienvermögen. Er war Dozent für Betriebswirtschaft an der Universität, verfügt über eine umfassende Ausbildung im Bankgeschäft und war in London, Frankfurt und Hamburg für Universal- und Investmentbanken tätig. Seine Schwerpunkte sind Ratgeber-Themen wie Grundlagen der Geldanlage, Family Office, Vermögensverwaltung, Strategische und Taktische Allokation, Unternehmensbeteiligungen, Unternehmensnachfolge, Steuern und Immobilien.

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