Performancekorridor

Halbjahresbilanz 2026 – Zwischen Unsicherheit und Erholung

Patrick Schefe // 06.07.2026

Das erste Halbjahr 2026 war an den Kapitalmärkten von einer spürbaren Zweiteilung geprägt. Nach einem schwächeren und von hoher Unsicherheit geprägten Jahresauftakt konnten sich viele Aktienmärkte ab dem Frühjahr deutlich erholen. Belastend wirkten zunächst geopolitische Risiken, handelspolitische Spannungen, zeitweise stark gestiegene Energiepreise sowie die Sorge vor länger erhöhten Zinsen. Im weiteren Jahresverlauf überwogen jedoch wieder robuste Unternehmensgewinne, anhaltende Investitionen in künstliche Intelligenz und eine insgesamt widerstandsfähige Konjunktur.

Der breit aufgestellte amerikanische S&P 500 legte seit Jahresbeginn um rund 9,3 Prozent zu und näherte sich im Verlauf des zweiten Quartals erneut seinen historischen Höchstständen. Besonders stark entwickelte sich der Nasdaq 100, der seit Jahresbeginn um rund 20,1 Prozent zulegte und erneut von großen Technologie- und Halbleiterwerten profitierte.

Europäische Aktien konnten im ersten Halbjahr ebenfalls zulegen, entwickelten sich jedoch uneinheitlicher. Der paneuropäische STOXX Europe 600 gewann seit Jahresbeginn rund 7,7 Prozent, während der deutsche Leitindex DAX mit einem Plus von rund 1,9 Prozent deutlich hinter der europäischen Entwicklung zurückblieb.

Abbildung 1: Performance Kennzahlen je Risikoprofil
Quelle: Eigene Analyse von BvS & Co. mithilfe von QPLIX und Reuters / LSEG

Auf Sektorebene standen erneut Technologie, Halbleiter und KI-Infrastruktur im Fokus. Die großen US-Technologiekonzerne untermauerten den langfristigen Wachstumstrend in Cloud, Rechenzentren und künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig nahm die Sensibilität der Anleger gegenüber hohen Investitionsausgaben zu. Während Unternehmen mit klarer Monetarisierung und steigenden Margen weiter belohnt wurden, gerieten Titel mit hohen Bewertungsniveaus und unsicherer Kapitalrendite zwischenzeitlich stärker unter Druck.

An den Anleihemärkten blieb das Umfeld anspruchsvoll. Nachdem die EZB ihren Zinssenkungszyklus im Juni 2025 beendet hatte, überraschte sie im Juni 2026 mit einer erneuten Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf einen Einlagensatz von 2,25 Prozent, begründet mit geopolitisch bedingten Inflationsrisiken. Auch die Fed hielt an ihrem abwartenden Kurs fest, ohne im bisherigen Jahresverlauf Zinssenkungen vorzunehmen. Für defensive und ausgewogene Mischfonds bedeutete dies weiterhin ein herausforderndes Umfeld, da Anleihen nur begrenzt als stabilisierender Faktor wirkten.

Auch an den Rohstoff- und Devisenmärkten blieb die Lage volatil. Der Ölpreis stieg im Zuge der geopolitischen Spannungen zeitweise deutlich an, gab zum Halbjahresende jedoch wieder spürbar nach. Brent-Rohöl notierte Ende Juni im Bereich von rund 72 US-Dollar je Barrel. Gold profitierte zeitweise von erhöhter Unsicherheit, verlor im Juni jedoch deutlich an Dynamik. Der Euro notierte zum Ende des Halbjahres bei rund 1,14 US-Dollar. Für eurobasierte Anleger in US-Aktien spielten Währungseffekte damit weiterhin eine wichtige Rolle und beeinflussten die in Euro gemessene Performance internationaler Strategien.

In diesem vielschichtigen Marktumfeld analysiert Breidenbach von Schlieffen, welchen Fondsmanagern es im bisherigen Jahresverlauf gelang, die Markterholung aktiv zu nutzen, Risiken zu begrenzen und zugleich an den wesentlichen Trends des Kapitalmarktes zu partizipieren. Insgesamt werden im Rahmen des Performancekorridors 179 vermögensverwaltende Fonds in den Risikoklassen Defensiv, Ausgewogen, Dynamisch und Risiko analysiert.

Zwischenfazit

„Im Zeitraum seit Jahresbeginn konnten von insgesamt 179 Fonds 157 Vermögensverwalter unsere Benchmark aus DAX und REX übertreffen. Die internationale Benchmark wurde von 53 Fonds geschlagen.“

Patrick Schefe

Wie gehen wir vor?

  • Analyse ausschließlich vermögensverwaltender Konzepte
  • Mindestanforderungen: mindestens 100 Mio. € Assets under Management (AuM) und mindestens 5 Jahre Track Record
  • Kombination aus quantitativer und qualitativer Analyse
  • Datenquelle: Reuters / LSEG
  • Datenverarbeitung: QPLIX
  • Berechnung der Volatilität: nach der QPLIX-Methode auf Basis von 250 Tagen
  • Keine Berücksichtigung von Kosten für Depotverwahrung und Transaktionen

Schon gewusst?

Über den folgenden Link können Sie unseren interaktiven Performance Korridor besuchen und nach verschiedenen Zeiträumen und Kennzahlen filtern. Dort können Sie den vollständigen Vergleich inklusive der Performance aller ausgewerteten Manager als PDF-Datei anfragen und regelmäßig mit neuen Analysen versorgt werden.

Risikoprofil Defensiv

Aus den dem vermögensverwaltenden Konzepten im Risikoprofil „Defensiv“ wurden das beste, mittlere und schlechteste Konzept ermittelt – sortiert nach Performance:

  • Bestes Konzept: Fidelity Funds – MA Dynamic Inflation (LU0251130554) mit einer Performance von 11,16 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Median Konzept: KEPLER ETHIK MIX SOLIDE (AT0000A19296) mit einer Performance von 3,10 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Schlechtestes Konzept: Flossbach von Storch Multi Asset Defensive (LU0323577840) mit einer Performance von -0,11 Prozent im vergangenen Halbjahr.
Abbildung 2: Analyse des Risikoprofils Defensiv
Quelle: Eigene Analyse von BvS & Co. mithilfe von QPLIX und Reuters / LSEG

Detaillierte Analyse – Defensiv

Im Risikoprofil Defensiv überzeugte Fidelity mit dem „Multi Asset Dynamic Inflation Fund“. Der Fonds verfolgt eine inflationssensitive Multi-Asset-Strategie und war per Ende Mai stark in Inflation Swaps positioniert. Diese außerbörslich gehandelten Derivate profitierten von gestiegenen Inflationserwartungen, unter anderem infolge höherer Energiepreise und geopolitischer Risiken, und waren damit ein wesentlicher Performancetreiber.

Hingegen enttäuschte im vergangenen Halbjahr die Wertentwicklung des „Flossbach von Storch Multi Asset Defensive“. Die relative Underperformance dürfte unter anderem auf die schwache Entwicklung der Goldallokation sowie eine unvorteilhafte Einzeltitelselektion zurückzuführen sein.

Risikoprofil Ausgewogen

Aus den vermögensverwaltenden Konzepten im Risikoprofil „Ausgewogen“ wurden das beste, mittlere und schlechteste Konzept ermittelt – sortiert nach Performance:

  • Bestes Konzept: Invesco Balanced Risk Allocation Fund (LU0432616737) mit einer Performance von 12,20 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Median Konzept: DUI Wertefinder I (DE000A0NEBA1) mit einer Performance von 5,12 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Schlechtestes Konzept: MainFirst Absolute Return Multi Asset A (LU0864714000) mit einer Performance von -1,62 Prozent im vergangenen Halbjahr.
Abbildung 3: Analyse des Risikoprofils Ausgewogen
Quelle: Eigene Analyse von BvS & Co. mithilfe von QPLIX und Reuters / LSEG

Detaillierte Analyse – Ausgewogen

Die beste Performance im Risikoprofil „Ausgewogen“ erzielte Invesco mit dem „Balanced-Risk Allocation Fund“. Der Fonds profitierte von seiner breit gestreuten Multi-Asset-Allokation über Renten, Aktien und Rohstoffe. Wesentliche Treiber waren insbesondere Duration-Positionen in Staatsanleihefutures sowie Engagements in Energie- und Agrarrohstoffen. Ergänzend unterstützten globale Aktien- und Optionspositionen die Wertentwicklung.

Die schwächste Performance im Risikoprofil „Ausgewogen“ verzeichnete der „MainFirst Absolute Return Multi Asset“. Die Underperformance dürfte vor allem auf die hohe Edelmetallexposure, insbesondere in Gold und Silber, sowie schwächere Beiträge aus ausgewählten Aktienpositionen zurückzuführen sein.

Risikoprofil Dynamisch

Aus den vermögensverwaltenden Konzepten im Risikoprofil „Dynamisch“ wurden das beste, mittlere und schlechteste Konzept ermittelt – sortiert nach Performance:

  • Bestes Konzept: Vermögensfonds-HUK Welt Fonds DYN (LU0123854472) mit einer Performance von 16,35 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Median Konzept: Threadneedle L-Gl Mul.Ass.Inc. AEH EUR (LU0640488994) mit einer Performance von 7,24 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Schlechtestes Konzept: Flossbach von Storch – Multiple Opportunities II IT (LU1038809049) mit einer Performance von -2,80 Prozent im vergangenen Halbjahr.
Abbildung 4: Analyse des Risikoprofils Dynamisch
Quelle: Eigene Analyse von BvS & Co. mithilfe von QPLIX und Reuters / LSEG

Detaillierte Analyse – Dynamisch

Im Risikoprofil „Dynamisch“ überzeugte der „Vermögensfonds-HUK Welt Fonds DYN“ mit einer YTD-Performance von 16,35 Prozent. Als Fund-of-Funds investiert der Fonds überwiegend in passive ETFs auf globale Aktienindizes wie den S&P 500, den STOXX Europe 600 und den MSCI Emerging Markets. Die Outperformance gegenüber Benchmark und Vergleichsgruppe gelang insbesondere durch die hohe Aktienquote sowie die starke Gewichtung von US- und Schwellenländeraktien.

Die schwächste Performance im Risikoprofil „Dynamisch“ verzeichnete der „Flossbach von Storch Multiple Opportunities II“. Trotz hoher Aktienquote belasteten die defensive Qualitätsausrichtung, die Goldallokation sowie schwächere Beiträge ausgewählter Einzeltitel. Gegenüber stärker indexnahen und wachstumsorientierten Wettbewerbern fehlte damit die Partizipation an den dynamischsten Marktsegmenten.

Risikoprofil Risiko

Aus den vermögensverwaltenden Konzepten im Risikoprofil „Risiko“ wurden das beste, mittlere und schlechteste Konzept ermittelt – sortiert nach Performance:

  • Bestes Konzept: FU Fonds – Multi Asset Fonds I (LU1102590939) mit einer Performance von 28,73 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Median Konzept: AURETAS Strategy Growth (D) A (DE000A0MYGZ7) mit einer Performance von 8,84 Prozent im vergangenen Halbjahr.
  • Schlechtestes Konzept: Deka-Nachhaltigkeit Strategie CF (DE000DK2EAD4) mit einer Performance von -0,11 Prozent im vergangenen Halbjahr.
Abbildung 5: Analyse des Risikoprofils Risiko
Quelle: Eigene Analyse von BvS & Co. mithilfe von QPLIX und Reuters / LSEG

Detaillierte Analyse – Risiko

Im Vergleich der höchsten Risikoklasse überzeugte der „FU Fonds – Multi Asset Fonds I“ mit einer Performance von 28,73 Prozent. Wesentlicher Treiber war die starke Positionierung entlang der KI-Wertschöpfungskette. Unter den Top-Positionen befanden sich unter anderem Micron, SanDisk, NVIDIA und TSMC. Damit war der Fonds breit in Profiteure der KI-Infrastruktur investiert – von Speicherchips und Speicherlösungen bis hin zu Grafikprozessoren und Halbleiterfertigung.

Hingegen enttäuschte die Wertentwicklung des „Deka-ESG StrategieInvest CF“ mit einer YTD-Performance von -0,11 Prozent. Trotz einer Aktienquote von 75,4 Prozent zum Ende Mai konnte der Fonds nur begrenzt von der positiven Marktentwicklung profitieren. Die größten Positionen entfielen überwiegend auf Pfandbriefe und staatsnahe Anleihen; unter den größeren Aktienpositionen fanden sich zudem defensivere Titel wie Cisco, Novartis und DNB Bank. Die Underperformance dürfte daher vor allem auf eine ungünstige Einzeltitelselektion zurückzuführen sein.

Disclaimer

Die dargestellten Wertentwicklungen beziehen sich auf die Vergangenheit. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Diese Analyse dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Über den Autor

Patrick Schefe ist Analyst bei Breidenbach von Schlieffen & Co. Seine Schwerpunkte liegen im Research zu Kapitalmärkten, Marktstimmung und verschiedenen Anlageklassen. Zuvor war er im Bereich Unternehmensbewertung und Financial Due Diligence sowie im Wealth Management tätig. Er verfügt über einen Bachelor of Science der Universität Mannheim und einen Master of Science der Universität Hamburg, jeweils mit Schwerpunkt Finance. Bei Breidenbach von Schlieffen & Co. bringt er seine analytische und kapitalmarktorientierte Expertise in die Beurteilung von Märkten und Investmentmöglichkeiten ein.

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